Wadephul: Mehr als 1,3 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe im Sudan
Bei der Sudan-Konferenz in Berlin haben die Geberländer dem Bürgerkriegsland weitere Unterstützung zugesagt. „Dieser Albtraum muss enden“, sagte UN-Generalsekretär Guterres zu den Teilnehmern der Konferenz.
Die Geberländer auf der dritten internationalen Sudan-Konferenz in Berlin wollen für das laufende Jahr mehr als 1,3 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe in dem Bürgerkriegsland bereitstellen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach am Rande der Konferenz in „einer Welt schrumpfender humanitärer Mittel“ von einem guten Zeichen. Es helfe, „das Leid der Menschen im Sudan ein wenig zu lindern“ und Leben zu retten. Die Geber zeigten auch, „dass dieser Konflikt nicht vergessen ist“.
Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe laut Wadephul um insgesamt mehr als 230 Millionen Euro auf - darunter sind auch Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium von Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD). Die Bundesrepublik gehe damit als einer der größten Unterstützer der humanitären Hilfe für die Menschen im Sudan voraus. Auf der Berliner Konferenz gehe es um das grundsätzlichste Ziel überhaupt - um Menschlichkeit betonte Wadephul angesichts des Ausmaßes der humanitären Krise im Sudan.
Der Minister schloss sich der Forderung von UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk nach einem Waffenembargo gegen den gesamten Sudan an. Die Vereinten Nationen hätten bereits ein entsprechendes Embargo beschlossen. „Das Problem dabei ist, wie insgesamt in diesem Konflikt, wie setzt man das praktisch um“, fügte der Bundesaußenminister aber hinzu.
In dem drittgrößten afrikanischen Land tobt ein erbitterter Machtkampf, ausgetragen zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen RSF. Der Krieg begann am 15. April 2023 in und um die Hauptstadt Khartum und weitete sich auf große Teile des nordostafrikanischen Landes aus. Nach UN-Angaben löste der Bürgerkrieg die größte humanitäre Krise auf der Welt aus. Demnach sind derzeit mehr als 11,6 Millionen Menschen auf der Flucht im Sudan und den Nachbarländern, mehr als 19 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht. Nach UN-Angaben war die Finanzierung der humanitären Hilfe für den Sudan in diesem Jahr bisher nur zu 16 Prozent gesichert.
Guterres zu Bürgerkrieg im Sudan: „Dieser Albtraum muss enden“
Vertreter der Vereinten Nationen haben auf der Sudan-Konferenz an die internationale Gemeinschaft zu dringender humanitärer Hilfe im Bürgerkriegsland Sudan appelliert. „Dieser Albtraum muss enden“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Videobotschaft zu den Teilnehmern der Konferenz, die von der Bundesregierung, den USA, Großbritannien, Frankreich sowie Europäischer und Afrikanischer Union ausgerichtet wird.
„Die internationale Gemeinschaft hat die sudanesischen Menschen wirklich im Stich gelassen“, sagte der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau, über seine Eindrücke während eines Besuchs in der Region Darfur in den vergangenen Tagen. „Sie hat dabei versagt, den Ausbruch dieses schrecklichen Kriegs zu verhindern, und sie hat beim Schutz der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder, versagt.“
Humanitäre Organisationen seien in der Lage, Leid zu lindern - doch die Helfer müssten in der Lage sein, sicher und ungehindert zu arbeiten. Zudem werde mehr Geld zur Finanzierung der Hilfe benötigt. „Derzeit kann sich das WFP nicht einmal volle Rationen in Gebieten leisten, in denen Hunger herrscht.“
UN-Nothilfe-Koordinator Tom Fletcher sagte, der Sudan sei ein „Laboratorium der Gräueltaten“. 34 Millionen Menschen im Sudan seien auf Hilfe angewiesen, 19 Millionen Menschen litten Hunger, zehn Millionen Kinder hätten keinen Zugang zur Schule. Ein UN-Hilfsplan sehe vor, 14 Millionen Menschen zu erreichen, doch dazu seien 2,2 Milliarden Dollar nötig.