Libanon: Israel zerstört wichtige Infrastruktur mit Vorsatz
Israel setzt seine Invasion im Südlibanon fort. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Kriegsverbrechen.
Das israelische Militär hat am Sonntag eine der wichtigsten Brückenverbindungen im Süden des Libanon zerstört. Zuvor hatte die Armee den Befehl erhalten, sämtliche Übergänge über den Fluss Litani unbrauchbar zu machen und den Abriss von Häusern nahe der südlichen Grenze zu beschleunigen. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur bedeutet eine deutliche Zuspitzung der israelischen Invasion. Der libanesische Präsident Joseph Aoun verurteilte Israels Vorgehen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von Kriegsverbrechen.
Bei einem israelischen Angriff am Sonntag wurde ein Übergang auf der Küstenautobahn völlig zerstört, der durch landwirtschaftliches Gebiet führte. Er galt als eine der Hauptverkehrsadern zwischen dem Süden und dem Zentrum des Landes.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor am Sonntag erklärt, das Militär habe den Befehl erhalten, alle Brücken über den Fluss Litani zu zerstören. Damit solle angeblich verhindert werden, dass Kämpfer und Waffen der Hisbollah-Miliz in den Süden gelangen. In den vergangenen zehn Tagen hat Israel bereits mehrere Brücken im Südlibanon zerstört. Katz zufolge wurde das Militär zudem angewiesen, den Abriss libanesischer Häuser in den Grenzdörfern zu beschleunigen. Er verglich das Vorgehen mit dem im Gazastreifen.
Zuvor war nach israelischen Angaben ein israelischer Landwirt in seinem Auto nahe der Grenze zum Libanon getötet worden. Ein israelischer Militärsprecher erklärte jedoch noch am selben Abend, die Armee prüfe auch die Möglichkeit, dass der Mann durch versehentlichen Eigenbeschuss einer israelischen Artillerieeinheit getötet worden sei.
Die israelischen Gräueltaten im Nahen und Mittleren Osten stoßen international auf scharfe Kritik. Der UN-Menschenrechtskommissar verurteilte das Vorgehen Israels im Libanon. Ramzi Kaiss von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sagte Reuters, das Völkerrecht verlange von Konfliktparteien, zivile Schäden bei Angriffen auf Infrastruktur wie Brücken zu berücksichtigen, selbst wenn diese militärisch genutzt würden. „Wenn all diese Brücken zerstört werden und die Region südlich des Litani vom Rest des Landes isoliert wird, dann wird der zivile Schaden so immens sein, dass es zu einer humanitären Katastrophe kommt.“ Die Menschen im Süden hätten dann keinen Zugang mehr etwa zu Nahrungsmitteln und Medikamenten. Die Zerstörung von Häusern im Südlibanon sei ein Kriegsverbrechen.
Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ist auch der schwelende Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Nach libanesischen Angaben sind seit Anfang März mindestens 1.029 Menschen durch israelische Angriffe getötet und mehr als 2.780 weitere verletzt worden – darunter zahlreiche Frauen und Kinder.