Ausnahmezustand nach Gefangenenmeuterei in Guatemala

Spezialeinheiten gehen entschlossen gegen aufständische Häftlinge vor, draußen greifen Gangmitglieder immer wieder Polizisten an. Die Regierung reagiert mit Härte.

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ARCHIV - 18.09.2013, Baden-Württemberg, Ravensburg: Ein Mann geht nach einem Rundgang durch die Justizvollzugsanstalt in den Außenbereich. / DPA

Nach Meutereien in drei Gefängnissen in Guatemala hat die Regierung des mittelamerikanischen Landes den Ausnahmezustand verhängt. „Wir verhandeln nicht mit Kriminellen und tolerieren keine terroristischen Handlungen. Im Rahmen des Gesetzes zwingen wir sie mit dem Schwert der Gerechtigkeit in die Knie“, sagte Präsident Bernardo Arévalo am Sonntagabend in einer Regierungserklärung. 

In den kommenden 30 Tagen sollen nun die Polizei und das Militär mit aller Kraft gegen das organisierte Verbrechen in dem mittelamerikanischen Land vorgehen. Zuvor hatten Häftling in drei Gefängnissen rebelliert und rund 40 Wärter als Geiseln genommen. Später stürmten die Sicherheitskräfte die Haftanstalten und übernahmen nach Behördenangaben wieder die Kontrolle über die Gefängnisse.

Mindestens acht Polizisten getötet

Bei einer Reihe von Angriffen auf Polizisten im Großraum von Guatemala-Stadt wurden daraufhin mindestens acht Beamte getötet, als mutmaßliche Gangmitglieder das Feuer auf sie eröffneten. Die Attacken seien eine Reaktion der kriminellen Banden auf die Niederschlagung der Gefangenenmeuterei gewesen, sagte Innenminister Marco Antonio Villeda. Sieben Verdächtige seien festgenommen worden. Ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied wurde demnach bei einem Polizeieinsatz getötet. 

Häftlinge nehmen Wärter als Geiseln

Zuvor hatten Häftlinge über Stunden hinweg die Macht in den Gefängnissen übernommen. Gefangene zeigten sich auf den Wachtürmen und forderten Verbesserungen der Haftbedingungen, wie in einem Video der Zeitung „Prensa Libre“ zu sehen war. Polizei und Militär umstellten die Gefängnisse in Guatemala-Stadt, Escuintla und Quetzaltenango. Eine schwangere Justizvollzugsbeamtin ließen die Häftlinge bereits zu Beginn des Aufstands frei. 

Die Aufstände seien eine Folge der Entscheidung der Behörden, den inhaftierten Anführern krimineller Banden ihre Privilegien zu entziehen, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums. So seien bei Razzien in den Haftanstalten zuletzt Mobiltelefone, Waffen sowie Drogen sichergestellt und illegale Bauten in den Gefängnissen zerstört worden, teilte die Gefängnisverwaltung des mittelamerikanischen Landes mit.

Bandenchefs führen Geschäfte aus dem Gefängnis heraus

In Mittelamerika kontrollieren mächtige Jugendgangs - die sogenannten Maras - ganze Stadtviertel und sind in Schutzgelderpressung sowie Drogenhandel verwickelt. Die inhaftierte Bandenchefs steuern ihre kriminellen Geschäfte oft weiterhin aus dem Gefängnis heraus.