Syrien: Deutsche Autorin Pungs erhebt schwere Vorwürfe gegen Terrorgruppe SDF
Die deutsche Autorin Nadine Pungs widerspricht dem westlichen Bild einer „demokratischen Selbstverwaltung“ im Nordosten Syriens. In einem Social-Media-Beitrag berichtet sie von Diskriminierung, Armut und Repressionen.
Die deutsche Autorin Nadine Pungs hat die sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Nordosten Syriens scharf kritisiert. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Instagram-Beitrag berichtet Pungs mit Verweis auf arabische Bekannte von Besatzung, willkürlichen Verhaftungen und Folter. Den Kern der SDF bildet die YPG, der syrische Ableger der Terrororganisation PKK.
Pungs sagt, sie habe lange Zeit darauf verzichtet, öffentlich darüber zu berichten – um arabische Bekannte vor Ort nicht zu gefährden. Diese leben nach ihren Angaben in Angst vor der SDF-Miliz. Bei ihrem Aufenthalt in der Stadt Raqqa im Juni seien sie und ihre Begleiter „schockiert“ gewesen.
In ihrem Beitrag kritisiert Pungs auch das westliche Narrativ einer „demokratischen kurdischen Regierung“. Zwischen Kurden und der SDF bestehe ein „riesengroßer Unterschied“, so Pungs. Das Bild bewaffneter Frauen ohne Kopftuch komme im Westen gut an. Doch von Zwangsrekrutierungen Minderjähriger, Diskriminierung und Repressionen gegenüber den arabischen Einwohnern höre man im Westen nur wenig. Das Gleiche gelte für Berichte über Korruption.
Die arabische Bevölkerung empfinde die Situation in den besetzten Gebieten nicht als Befreiung, schreibt die Autorin. Sie berichtet zudem über massive Armut, verschmutzte Städte und Kinder, die Müll sammeln müssten. Es herrsche eine weit verbreitete Angst vor Verhaftungen. Kritik in sozialen Medien oder das Hissen der aktuellen syrischen Flagge könne schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, so Pungs.
Pungs wirft „uns bekannten“ deutschen Journalisten und „sogenannten Menschenrechtsaktivisten“ vor, diese Zustände nicht zu thematisieren.Von Demokratie und Freiheit könne im Nordosten Syriens keine Rede sein – vor allem nicht für die arabische Bevölkerung.
Die syrische Armee war in den vergangenen Wochen gegen die bisher von der PKK/YPG/SDF besetzten Gebiete im Nordosten des Landes vorgegangen. Bei den Gefechten konnten die Regierungstruppen große Gebiete unter staatliche Kontrolle bringen.