Syrien: Regierung reagiert auf bewaffnete Assad-Schergen

Bewaffnete Assad-Anhänger versuchen, Syrien mit gezielten Angriffen und Unruhen zu destabilisieren. Die Übergangsregierung unter Präsident al-Scharaa reagiert entschlossen.

Syrien: Regierung reagiert auf bewaffnete Assad-Schergen. / Foto:DPA / DPA

Rund drei Monate nach dem Sturz des Assad-Regimes ist es in Syrien zu heftigen Gefechten zwischen bewaffneten Assad-Schergen und Truppen der syrischen Übergangsregierung gekommen. Insgesamt sind bei den Auseinandersetzungen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bislang mindestens 237 Menschen gestorben. 

Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa wandte sich am Freitagabend an die Bevölkerung. Überbleibsel des gestürzten Regimes hätten versucht, „das neue Syrien zu testen“, sagte er. Die Sicherheitskräfte hätten in mehreren Städten Operationen durchgeführt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Jeder, der Übergriffe gegen Zivilisten begehe, werde hart bestraft, kündigte er an.

Der Chef des syrischen Geheimdienstes, Anas Khatab, machte führende Figuren aus dem Militär- und Sicherheitsapparat des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad für die Auseinandersetzungen verantwortlich. Diese hätten eine verräterische Operation gestartet, bei der Dutzende Mitglieder von Armee und Polizei getötet worden seien, teilte Khatab per Kurznachrichtendienst X mit. Sie würden dabei aus dem Ausland gesteuert. Die Beobachtungsstelle hatte berichtet, dass bei Angriffen am Donnerstag 16 Mitglieder der Sicherheitskräfte der Regierung getötet worden waren.

Wo spielen sich die Unruhen ab?

Die Auseinandersetzungen spielen sich vor allem an der Mittelmeerküste ab, die Region gilt als Hochburg der religiösen Minderheit der Alawiten, der auch Ex-Machthaber Baschar al-Assad angehört. Unter anderem in der Stadt Dschabla etwa 25 Kilometer südlich von Latakia, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, soll es zu schweren Gefechten gekommen sein. Für Latakia und auch die weiter südlich gelegene Küstenstadt Tartus wurden bis Samstagvormittag Ausgangssperren verhängt. Nach Angabe eines Offiziers verlegte die Regierung am Freitag größere Truppenkontingente in die Küstenregion. 

Wie reagiert die Bevölkerung?

Tausende Menschen hatten sich in Damaskus und etlichen anderen Städten versammelt, um gegen die bewaffneten Assad-Anhänger zu demonstrieren. Viele forderten, die bewaffneten Angriffe zurückzuschlagen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

In der gebirgigen Küstenregion sind teilweise noch bewaffnete Gruppen mit Verbindungen zum gestürzten Assad-Regime aktiv. Der Sprecher des syrischen Verteidigungsministeriums, Hasan Abdal Gany, teilte mit, wer seine Waffen nicht niederlege, müsse sich einem „unausweichlichen Schicksal“ stellen. 

Assad hatte Syrien mehr als zwei Jahrzehnte mit eiserner Hand regiert. Nach einer Blitzoffensive unter Führung der Rebellengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) Ende vergangenen Jahres floh er nach Russland. Die neue Übergangsregierung unter Führung von al-Scharaa versucht seitdem, die Sicherheit im Land wiederherzustellen und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Al-Scharaa versprach bei Amtsantritt, alle Gruppen in dem Land in einen Prozess der politischen Erneuerung einzubeziehen und Menschenrechte zu achten.