Umfrage: Mehrheit der Deutschen hält USA und Israel für „unzuverlässige Partner“

Der Iran-Krieg prägt zunehmend auch die Stimmung in Deutschland. Eine Umfrage zeigt das wachsende Misstrauen gegenüber den internationalen Partnern USA und Israel. Die Sorgen vor weiteren Eskalationen wachsen.

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Umfrage: Mehrheit der Deutschen hält USA und Israel für „unzuverlässige Partner“ / Foto: Reuters / Reuters

Die Mehrheit der Deutschen hält die USA und Israel laut einer Umfrage für keine verlässlichen Partner. 78 Prozent der Befragten gaben laut aktuellem ARD-„Deutschlandtrend“ an, den USA als Partner nicht zu vertrauen. Lediglich 15 Prozent erklärten, die Vereinigten Staaten für vertrauenswürdig zu halten. Auch Israel wird von vielen Befragten kritisch beurteilt: 69 Prozent sehen in Israel keinen verlässlichen Partner, während 17 Prozent Vertrauen äußerten.

Deutlich positiver fällt die Bewertung bei europäischen Staaten aus. 82 Prozent der Teilnehmer bezeichneten Frankreich als vertrauenswürdigen Partner, 75 Prozent äußerten Vertrauen in Großbritannien. Russland kam nur für 12 Prozent der Befragten als verlässlicher Partner infrage.

Drei Viertel der Deutschen fühlen sich von Weltlage bedroht

Rund drei Viertel der Deutschen fühlen sich durch die aktuelle politische Weltlage auch in Deutschland bedroht. 59 Prozent empfinden die Lage in der Welt für Menschen in Deutschland laut „Deutschlandtrend“ als bedrohlich, 18 Prozent sogar als sehr bedrohlich.   

Das sind mit insgesamt 77 Prozent 23 Prozentpunkte mehr als Anfang Februar 2022, also vor Ausbruch des Ukraine-Krieges. Aktuell schätzen nur noch 21 Prozent die Lage in Deutschland als wenig oder überhaupt nicht bedrohlich ein. Dazu passt auch, dass drei Viertel der Befragten Sorge haben, dass der jüngst ausgebrochene Iran-Krieg auf noch mehr Länder übergreifen könnte. 

Nur jeder Vierte befürwortet Angriffe auf den Iran

58 Prozent der Befragten stufen die Angriffe der USA und Israels auf den Iran als nicht gerechtfertigt ein. Nur ein Viertel (25 Prozent) hält den Krieg für gerechtfertigt, 17 Prozent wissen es nicht oder machten keine Angabe. Die schwarz-rote Bundesregierung hat es bisher vermieden, sich eindeutig zur Frage zu positionieren, ob der Angriff auf den Iran mit dem Völkerrecht vereinbar ist.  

85 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich in der Weltpolitik zunehmend „das Recht des Stärkeren“ durchsetzt. 80 Prozent befürchten, dass ein Krieg mit Iran den Handel beeinträchtigen könnte, während 75 Prozent Sorge äußerten, der Konflikt könnte sich auf weitere Länder ausweiten.

Bei den US-Angriffen auf Venezuela zu Beginn des Jahres war die Ablehnung der Deutschen laut „Deutschlandtrend“ stärker ausgeprägt als beim Iran: Diese hielten 72 Prozent der Deutschen für nicht gerechtfertigt.   

Für den „Deutschlandtrend“ befragte Infratest dimap 1.317 in Deutschland Wahlberechtigte ab 18 Jahren von Montag bis Mittwoch dieser Woche zufällig telefonisch und online. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ. Die Fehlertoleranz wird mit plus/minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben. Der tatsächliche Wert kann also in diesem Bereich liegen.