Elf Staaten fordern vollständige Waffenruhe in Nahost
Minister aus zahlreichen Ländern appellieren für Frieden in Nahost. Sie warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran.
Die Finanzminister aus fast einem Dutzend Ländern haben die USA, Israel und den Iran zu einer vollständigen Umsetzung der Waffenruhe im Nahen Osten aufgefordert. In einer gemeinsamen Erklärung warnten sie, der Konflikt werde die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte auch dann noch belasten, wenn er bald beigelegt werde. Unterzeichner sind Australien, Neuseeland, Japan, Schweden, die Niederlande, Finnland, Spanien, Norwegen, Irland, Polen sowie Großbritannien. Der Krieg habe zu inakzeptablen Verlusten an Menschenleben geführt. „Erneute Feindseligkeiten, eine Ausweitung des Konflikts oder eine anhaltende Störung in der Straße von Hormus würden ernsthafte zusätzliche Risiken für die globale Energiesicherheit, die Lieferketten sowie die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität darstellen“, hieß es weiter. Selbst bei einer dauerhaften Lösung des Konflikts würden die Auswirkungen auf Wachstum, Inflation und Märkte anhalten.
Die Erklärung wurde am Rande der Frühjahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington veröffentlicht. Der IWF hatte diese Woche seine Wachstumserwartung für die Weltwirtschaft gesenkt und dabei auf den US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran verwiesen.
„Wir verpflichten uns, protektionistische Maßnahmen zu vermeiden, und fordern alle Länder auf, dies ebenfalls zu tun“, erklärten die Unterzeichner. Dies schließe ungerechtfertigte Exportkontrollen, das Horten von Waren und andere Handelshemmnisse in den von der Krise betroffenen Lieferketten ein.
Die britische Finanzministerin Rachel Reeves, die die US-Strategie im Iran-Krieg in der laufenden Woche als Torheit kritisiert hatte, bekräftigte ihre Forderung nach einem Ende des Krieges. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag seine Kritik an der britischen Regierung erneuert und erklärt, das Handelsabkommen des Landes mit den USA könne „jederzeit geändert werden“. Premierminister Keir Starmer sagte daraufhin, er werde dem Druck Trumps nicht nachgeben.
Der IWF rechnet wegen des Iran-Kriegs mit neuen Kreditanträgen von mindestens einem Dutzend Ländern, darunter afrikanischen Staaten. Grund dafür seien die stark gestiegenen Energiepreise und unterbrochene Lieferketten, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Es könne um Darlehen im Volumen von 20 bis 40 Milliarden Dollar gehen.
US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran
Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die US-israelischen Angriffe erfolgten auch in zivilen Wohngebieten.
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums töteten Israel und die USA bisher mindestens 3.000 Menschen im Iran. Mehr als 26.500 Menschen wurden demnach verletzt.
Der Iran reagierte mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 193 Tote und Hunderte Verletzte.
Am 8. April hatten die USA und der Iran nach direkten Vermittlungsgesprächen Pakistans einer zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt. Am Wochenende verhandelten Vertreter Washingtons und Teherans über einen dauerhaften Waffenstillstand, erzielten aber keine Einigung.