Wadephul gegen Loslösung Europas von den USA
Europa soll unabhängiger werden, aber eine völlige Trennung von den USA hält Außenminister Wadephul für unnötig. Welche Argumente er dafür nennt.
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sich gegen eine komplette Abkehr Europas von den USA ausgesprochen. Europa müsse stärkere Anstrengungen unternehmen, unabhängiger und souveräner zu werden, aber nicht wirklich unabhängig von den USA. „Das wäre eine Loslösung, das will niemand, das ist auch unnötig“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.
Aus Sicht Wadephuls sollte keine Entweder-oder-Debatte geführt werden. „Lassen Sie uns eine Debatte führen, dass wir ehrlich sagen, was wir in Europa mehr machen können und müssen und auf der anderen Seite auch, was wir an den USA haben“, sagte der Außenminister. „Das ist ein verlässliches Bündnis.“
Die USA sind nach den Worten Wadephuls voll integriert in die Nato. „Ohne die USA hätten wir keine hinreichende Verteidigungsfähigkeit Europas, weder nuklear noch konventionell noch, was Geheimdienstinformationen und -arbeit angeht“, sagte er. „Das muss man ganz nüchtern sagen.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz für einen Neustart der transatlantischen Beziehungen zu den USA mit einem starken und weitgehend eigenständigen europäischen Pfeiler geworben.
Wadephul: Ausgestreckte Hand ergreifen
Nach den Worten Wadephuls wollen die USA mit Europa gemeinsam das Verteidigungsbündnis stark machen, auch für die Herausforderungen der Zukunft. Das sei auch die ausgestreckte Hand von US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz gewesen, „die wir aus meiner Sicht ergreifen sollten“, sagte der Außenminister. Es gebe eine Bereitschaft der USA, es gemeinsam mit Europa zu machen: „Aber das setzt voraus, dass wir handlungsfähig sind, und dafür müssen wir eben halt auch Geld in die Hand nehmen“ und auch ein paar andere Maßnahmen vorantreiben.