Österreich: Anklage in Missbrauchsaffäre um SOS-Kinderdorf
Ein Ex-Betreuer soll Mädchen in einem SOS-Kinderdorf mit Gewalt und Drohungen zum Schweigen gebracht haben. In Österreich ist die Hilfsbewegung mit einer Reihe ähnlicher Vorwürfe konfrontiert.
Im Skandal um mutmaßlichen Missbrauch in SOS-Kinderdörfern in Österreich ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Hilfsorganisation angeklagt worden. Dem heute 57-Jährigen werden unter anderem schwerer sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Salzburg mitteilte.
Der ehemalige Betreuer steht demnach unter Verdacht, Übergriffe gegen zwei Mädchen verübt zu haben, die im SOS-Kinderdorf Seekirchen am Wallersee nahe der Grenze zu Bayern untergebracht waren. Sie waren weniger als 14 Jahre alt. Eines der Kinder habe er mutmaßlich mit Gewalt und Drohungen eingeschüchtert, damit es niemandem davon erzähle, hieß es. Die Vorfälle sollen zwischen 2017 und 2020 stattgefunden haben.
Angeklagter ist vorbestraft
Der Angeklagte wurde bereits 2021 in einem anderen Gerichtsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen verurteilt. Zum Zeitpunkt dieses Prozesses waren die nun angeklagten Vorwürfe nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht bekannt, und der Mann arbeitete damals nicht mehr im SOS-Kinderdorf.
„Der ehemalige Mitarbeiter des SOS Kinderdorfes Seekirchen war zum Zeitpunkt seiner Verurteilung nicht mehr für uns tätig. SOS-Kinderdorf hat unmittelbar nach der ersten Meldung der sexuellen Übergriffe im Mai 2019 Konsequenzen gezogen. Der damalige Mitarbeiter wurde unverzüglich dienstfrei gestellt und das Dienstverhältnis im September 2019 beendet. Wir haben zu jedem Zeitpunkt eng und transparent mit den zuständigen Behörden zusammengearbeitet und alle erforderlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt“, hieß es seitens SOS-Kinderdorf.
Der österreichische Zweig der globalen Hilfsbewegung SOS-Kinderdorf ist seit September mit einer Reihe von Missbrauchsvorwürfen an mehreren Standorten konfrontiert. Entsprechende Informationen waren der Organisation nach eigenen Angaben seit Jahren intern bekannt, sie wurden aber erst im Zuge von Medienberichten öffentlich. Auch der bereits verstorbene Gründer von SOS-Kinderdorf, der Österreicher Hermann Gmeiner, steht unter Verdacht, wie die Organisation eingeräumt hat.
Bereits im November hatte ein Gericht in Wien in einem Berufungsprozess eine zweieinhalb Jahre lange Gefängnisstrafe gegen einen ehemaligen SOS-Kinderdorf-Betreuer bestätigt. Er war wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen schuldig gesprochen worden.