Zehn Staaten prangern katastrophale Lage in Gaza an

Mehrere Außenminister zeigen sich alarmiert über die humanitäre Lage im Gazastreifen. In einer gemeinsamen Erklärung verweisen sie auf dramatische Wetterbedingungen sowie fehlende medizinische Versorgung – und nehmen Israel in die Pflicht.

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Gaza, 31.12.2025 / Foto: Mahmoud Issa/REUTERS

Die Außenminister von zehn Staaten haben sich besorgt über die „erneute Verschlechterung der humanitären Lage im Gazastreifen“ gezeigt. Die Lage sei nach wie vor „katastrophal“, erklärten die Außenministerinnen und Außenminister von Großbritannien, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, Japan, Norwegen, Schweden und der Schweiz am Dienstag in einer gemeinsamen vom britischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung.

Angesichts des beginnenden Winters seien die Zivilisten im Gazastreifen mit „erschreckenden“ Bedingungen konfrontiert, mit starken Regenfällen und sinkenden Temperaturen, betonten die Ministerinnen und Minister.

In dem palästinensischen Gebiet mit 2,2 Millionen Einwohnern seien noch immer 1,3 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen sei nur teilweise funktionstüchtig. Es gebe einen Mangel an grundlegenden medizinischen Geräten und Hilfsgütern, hieß es weiter. 

Die Minister begrüßten die Fortschritte, die gemacht worden seien, um das Blutvergießen im Gazastreifen durch die israelische Armee zu beenden und die Freilassung der Israelis zu erzielen. „Jedoch werden wir nicht die Notlage der Zivilisten im Gazastreifen aus den Augen verlieren“, hieß es weiter. Die Minister riefen die israelische Regierung auf, „dringende und unverzichtbare“ Schritte zu ergreifen. Dazu gehöre, dass internationale Hilfsorganisationen im Gazastreifen in einer „nachhaltigen und planbaren“ Weise arbeiten könnten. 

In der gemeinsamen Erklärung wird zudem die Öffnung von Grenzübergängen für die Lieferung von humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gefordert. Sie begrüßt die teilweise Öffnung des Grenzübergangs Allenby zwischen dem besetzten Westjordanland und Jordanien. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass andere Korridore wie der Grenzübergang Rafah für den Transport von humanitärer Hilfe weiterhin geschlossen oder stark einschränkt seien, da sie von Israel besetzt sind. 

Mehr als 400 Palästinenser trotz Waffenruhe getötet

Laut Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza tötete Israel während der offiziellen Waffenruhe in Gaza mindestens 414 Menschen. Demnach wurden binnen Monaten mehr als 1.100 weitere Menschen verletzt. Die Waffenruhe war am 10. Oktober in Kraft getreten.

Laut Daten des palästinensischen Gesundheitsministeriums tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 71.200 Menschen in Gaza – größtenteils Minderjährige und Frauen. Demnach wurden mehr als 171.200 Menschen verletzt. Die Zahl der Toten wird weit höher geschätzt, da bisher nicht alle Toten aus den Trümmern geborgen wurden.