Merz: Iran-Krieg trifft Afrika noch härter als uns

Beim Treffen des Kanzlers mit dem Präsidenten der Afrikanischen Union geht es um die Folgen des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran für den Kontinent. Aber auch um die weltweit größte humanitäre Katastrophe im Sudan.

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Foto: Liesa Johannssen/REUTERS

Kanzler Friedrich Merz hat Afrika Unterstützung im Kampf gegen die Folgen des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran zugesagt. Die Gegenschläge des Iran auf zentrale Infrastruktur in den Golfstaaten habe direkte Auswirkungen auf die Versorgung mit Öl und Treibstoffen in Afrika, auch die Produktion von Düngemitteln sei betroffen, sagte der CDU-Chef am Dienstag in Berlin bei einem Treffen mit dem Präsidenten der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf. 

Die Folgen des Iran-Krieges träfen Afrika „wegen seiner engen Handelsbeziehungen mit dem Nahen und Mittleren Osten noch härter als uns“, sagte Merz. Es drohten Inflation, Ernteausfälle und Nahrungsmittelknappheit. Es gehe darum, wie Deutschland und Europa afrikanische Länder unterstützen könnten, wirtschaftlich und energetisch unabhängiger zu werden.

Vor der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin am heutigen Mittwoch sagte Merz, Deutschland unterstütze alle Bemühungen für einen Waffenstillstand. Bei der größten humanitären Krise der Gegenwart, dem Bürgerkrieg im Sudan, litten über 20 Millionen Menschen an Hunger – fast die Hälfte der Bevölkerung. Deutschland zähle zu den größten Gebern der humanitären Hilfe und unterstütze alle Bemühungen der USA, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens um einen Waffenstillstand.

AU-Präsident: Leid der Menschen nicht aus den Augen verlieren

Youssouf sagte, wenn die ganze Welt sich auf den Ukraine-Krieg, den Iran-Krieg und andere Krisen konzentriere, sei es begrüßenswert, dass Deutschland mit der Konferenz dafür sorge, dass „wir das Leid der Menschen im Sudan nicht aus den Augen verlieren“. Die Afrikanische Union werde sich in den Friedensdialog einbringen. Der Sudan dürfe nicht seinem Schicksal überlassen werden. 

Zentrale Ziele der im Jahr 2002 gegründeten Regionalorganisation AU sind Frieden, Sicherheit, Entwicklung, Demokratisierung und der Schutz der Menschenrechte. Bei Kriegsverbrechen oder Genoziden hat die Organisation ein Interventionsrecht. Die AU umfasst alle 54 afrikanischen Staaten und Westsahara. Gegründet wurde die Union, um die politische und wirtschaftliche Integration Afrikas voranzutreiben. Im September 2023 wurde die Organisation vollwertiges Mitglied in der G20-Runde der führenden Wirtschaftsmächte.

Im Sudan tobt ein erbitterter Machtkampf, ausgetragen zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF). Der Krieg begann am 15. April 2023 in und um die Hauptstadt Khartum und weitete sich auf große Teile des nordostafrikanischen Landes aus. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. 

US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran

Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die US-israelischen Angriffe erfolgen auch in zivilen Wohngebieten.

Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums töteten Israel und die USA bisher mindestens 2.076 Menschen im Iran. Mehr als 26.500 Menschen wurden demnach verletzt. 

Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 193 Tote und Hunderte Verletzte. 

Vertreter Washingtons und Teherans hatten am Wochenende unter Vermittlung Pakistans über eine Beilegung des Iran-Krieges verhandelt, aber keine Einigung erzielt.