Irans IAEA-Vertreter: Keine Urananreicherung für Atomwaffen
Die USA werfen dem Iran vor, Bestrebungen zum Bau einer Atombombe zu haben – und begründen damit ihre Angriffe auf das Land. Es habe im Iran „nie ein Atomprogramm gegeben“, erklärt dagegen der iranische IAEA-Vertreter.
Der Iran strebt nach den Worten seines Vertreters bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) keine Urananreicherung in einem für den Bau einer Atombombe erforderlichen Ausmaß an. Die US-Vorwürfe, denen zufolge Teheran Uran auf den für den Bau einer Atomwaffe nötigen Grad anreichern wolle, seien eine „Lüge“, sagte der iranische IAEA-Botschafter Resa Nadschafi am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
Er bestritt zudem, dass der Iran nach den US-israelischen Angriffen auf ihre Atomanlagen im Juni 2025 die Urananreicherung „wieder aufgenommen“ habe. „Wir haben die Anreicherung nicht wieder aufgenommen, und es war eine Lüge, eine sehr große Lüge, wie die anderen Lügen auch“, sagte Nadschafi.
Die USA und Israel hätten den Iran beschuldigt, er wolle sein Atomwaffenprogramm wieder aufnehmen, sagte Nadschafi. Dabei habe es im Iran „nie ein Atomprogramm gegeben“. Dies sei „wiederholt von der IAEA und sogar von den amerikanischen Geheimdiensten selbst bestätigt“ worden.
Nach Einschätzung der IAEA ist der Iran ein Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert. Zur Herstellung von Atomsprengköpfen ist auf 90 Prozent angereichertes Uran nötig.
Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran bestreitet dies und versichert, sein Atomprogramm lediglich zur zivilen Nutzung zu betreiben. US-Präsident Donald Trump hatte den US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran unter anderem damit begründet, Teheran stehe kurz vor dem Bau von Atomwaffen und könne damit „bald“ sogar die USA angreifen.
Eine US-Geheimdienstanalyse stellte dagegen kürzlich Trumps Begründung für den Iran-Krieg infrage. Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard erklärte Mitte März, der Iran habe seine Nuklearanlagen seit den US-israelischen Luftangriffen vom vergangenen Juni nicht wieder aufgebaut.
Im vergangenen Juni hatten die USA an der Seite Israels drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert. Trump zufolge wurden die Anlagen Fordo, Natans und Isfahan in dem zwölf Tage dauernden Krieg vollständig zerstört, der wirkliche Umfang der Schäden ist aber nicht klar.
Die jüngsten US-israelischen Angriffe auf das Atomkraftwerk Buschehr prangerte Nadschafi in dem AFP-Interview als „Kriegsverbrechen“ an. Selbst in Kriegszeiten sei es „verboten, für Zivilisten wichtige Anlagen zu attackieren“, sagte er.
Das Akw Buschehr im Südwesten des Iran verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der IAEA im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war. Das Gelände war nach Angaben der IAEA Ende März erneut angegriffen worden. Es handelte sich demnach um den dritten Angriff auf Buschehr innerhalb von zehn Tagen. IAEA-Chef Rafael Grossi forderte „größtmögliche militärische Zurückhaltung“.
US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran
Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die US-israelischen Angriffe erfolgen auch in zivilen Wohngebieten.
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums töteten Israel und die USA bisher mindestens 1.937 Menschen im Iran. Mehr als 24.800 Menschen wurden demnach verletzt.
Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 167 Tote und Tausende Verletzte.