Bericht: Presseausweis aus Deutschland für Epstein-Komplizin Maxwell

US-Ermittlungsakten zufolge soll Ghislaine Maxwell einen internationalen Presseausweis besessen haben, der in Deutschland ausgestellt wurde. Eine journalistische Tätigkeit von ihr ist jedoch nicht bekannt.

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Die frühere Vertraute und Komplizin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell / Foto: dpa / DPA

Die frühere Vertraute und Komplizin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat offenbar einen in Deutschland ausgestellten internationalen Presseausweis besessen. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die das US-Justizministerium veröffentlichte, wie der „Spiegel“ am Samstag berichtete. 

Maxwell besaß laut „Spiegel“-Bericht einen internationalen Presseausweis der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ), des weltweit größten Journalistenverbands. Der Ausweis soll auf den Namen „Marion Ghislaine Noèlle Maxwell“ ausgestellt gewesen sein und war wohl bis September 2017 gültig.

Presseausweis der DJU nur bei nachgewiesener journalistischer Tätigkeit

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) stellt internationale Presseausweise ausschließlich für Mitglieder mit nachgewiesener journalistischer Tätigkeit aus. Eine solche Tätigkeit Maxwells ist aber nicht bekannt. Laut „Spiegel“-Bericht taucht der Presseausweis in den US-Ermittlungsakten auf, weil Maxwell ihn 2018 bei der Anmietung eines Postfachs in den USA als Ausweisdokument genutzt haben soll.

Laut „Spiegel“ ließ die IFJ eine Anfrage unbeantwortet. Die DJU teilte demnach mit, sie mache grundsätzlich keine Angaben dazu, wer Mitglied sei oder gewesen sei. Der internationale Presseausweis werde auf Antrag ausgestellt, wenn die Voraussetzung sei. Und diese sei eine hauptberufliche journalistische Tätigkeit bei einer nationalen IFJ-Mitgliedsorganisation. 

Antragsunterlagen würden aus Datenschutzgründen nur befristet gespeichert und lägen inzwischen nicht mehr vor, so die DJU. Der Ausweis dürfte 2015 oder 2016 ausgestellt worden sein. Man gehe davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt entsprechende Unterlagen vorgelegen hätten.

Maxwell soll vor US-Kongress aussagen

Maxwell war in den USA wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung junger Frauen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Sie ist die Tochter des Medienunternehmers Robert Maxwell, der Anfang der 1990er-Jahre zwischenzeitlich Miteigentümer des Berliner Verlags war. Voraussichtlich am Montag wird sie vor dem US-Kongress aussagen.

Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen zum Opfer fielen. Unter seinen Klienten sollen viele einflussreiche Personen gewesen sein.

Vor fast 20 Jahren landete der Fall vor Gericht. Epstein bekannte sich zu bestimmten Vorwürfen schuldig. Jahre später wurde der Fall nochmals aufgerollt und der Multimillionär erneut festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.