Pakistan greift erneut im Landesinneren Afghanistans an
Ende Februar waren zwischen Pakistan und Afghanistan Kämpfe ausgebrochen, die sich auf das Grenzgebiet beschränkten. Nun fliegt Pakistan wieder Angriffe im Landesinneren - nach eigenen Angaben gegen Terroristen.
Im Konflikt zwischen den Nachbarländern Pakistan und Afghanistan hat Islamabad in der Nacht erneut Ziele im Landesinneren Afghanistans angegriffen. Pakistanische Sicherheitskreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur Luftangriffe auf fünf verschiedene Orte. Afghanische Behörden teilten am Freitag mit, dabei seien vier Menschen in der Hauptstadt Kabul und zwei weitere im Osten des Landes getötet worden.
Mindestens vier Zivilisten seien bei nächtlichen Luftangriffen auf Kabul getötet und 14 weitere verletzt worden, teilte die UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) am Freitag auf der Plattform X mit. Insgesamt seien in dem Konflikt seit dem 26. Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden.
Pakistanische Vertreter erklärten, die Angriffe hätten sich gegen vier „Terroristenlager“ und ein Treibstofflager am Flughafen der südafghanischen Stadt Kandahar gerichtet. Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter bestätigte, Ziel seien Kämpfer der Terrororganisation „Tehrik-i-Taliban Pakistan“ (TTP) gewesen. Zivile Opfer soll es nach pakistanischen Angaben nicht gegeben haben.
Der Sprecher der in Afghanistan regierenden Taliban, Sabiullah Mudschahid, schrieb auf X, Pakistan habe in der Nähe des Flughafens von Kandahar ein Tankdepot angegriffen. Auf Bildern des afghanischen Fernsehsenders Tolonews waren Rauchsäulen zu sehen. Afghanistan reagierte am Morgen mit Drohnenangriffen auf Militäreinrichtungen in Pakistan.
Die Luftangriffe im Landesinneren markieren eine erneute Eskalation des Konflikts, der sich zuletzt auf die Grenzregionen der Länder beschränkt hatte. Die Kämpfe waren Ende Februar ausgebrochen. Islamabad wirft den Taliban in Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist dies zurück.
In dieser Woche hatten sich erste Vermittlungsversuche zwischen den Parteien angebahnt. Chinas Sondergesandter für Afghanistan traf sich zu Gesprächen in beiden Hauptstädten.
In den letzten Wochen war es zu Zusammenstößen zwischen afghanischen und pakistanischen Streitkräften entlang der Grenze gekommen. Anwohner in der Grenzregion waren gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks wurden durch die Kämpfe etwa 115.000 Menschen vertrieben.