Ankara: Fidan bekräftigt Bemühungen für Ende des US-israelischen Angriffskrieges

Der türkische Außenminister und sein deutscher Amtskollege sind sich einig: Der Krieg im Iran muss so bald wie möglich enden – doch wie? Beide Seiten sehen weiterhin Chancen für eine politische Lösung.

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Ankara: Fidan bekräftigt Bemühungen für Ende des US-israelischen Angriffskrieges / Foto: AA / AA

Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat die Bemühungen Ankaras für ein Ende des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran bekräftigt. Hierzu herrsche weiterhin ein reger diplomatischer Austausch, sagte Findan bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesaußenminister Johann Wadephul am Donnerstag in Ankara. Fast alle Staaten seien an einem raschen Ende des Krieges interessiert. 

Ankara setze sich dafür ein, die Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen und politische Lösungen zu ermöglichen, so Fidan weiter. Zugleich wandte sich der türkische Chefdiplomat gegen Szenarien, die auf eine Destabilisierung des Iran abzielen könnten. Er warnte hierbei vor einem Bürgerkriegsszenario geschürt durch ethnische und religiöse Spaltungen.

Vor dem Hintergrund der israelischen Aggressionen in Nahost übte Fidan erneut scharfe Kritik an der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Diese stehe „im Zentrum nahezu jedes Konflikts in der Region“. Israel verfolge eine „expansionistische“ Politik und habe den „dreckigen Krieg“ nun auch in den Libanon getragen. 

Wadephul fordert gemeinsame politische Kraftanstrengung für Kriegsende

Außenminister Johann Wadephul forderte seinerseits eine gemeinsame politische Kraftanstrengung von Europäern und Golf-Anrainern für ein rasches Ende des Iran-Krieges. Er sei „der Überzeugung, dass eine verlässliche und tragfähige Lösung nur auf diplomatischem Weg erreicht werden kann“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit Fidan in Ankara. Eine wesentliche Erkenntnis aus seiner Reise in den vergangenen Tagen sei, „dass wir die gemeinsamen Interessen aus der Golfregion, aber auch hier aus der Nachbarschaft bündeln sollten“.

Auf die Frage, ob sich Deutschland beispielsweise mit einer Bundeswehr-Fregatte an der Initiative der G7-Staaten beteiligen werde, Öltanker und Frachtschiffe in der Straße von Hormus von Kriegsschiffen begleiten zu lassen, ging Wadephul nicht direkt ein. „Jeder weiß, dass die Straße von Hormus eine der wirtschaftlichen Lebensadern dieser Welt ist und dass wir alle daran arbeiten müssen, dass diese recht schnell wieder intakt ist.“

Wadephul: Gemeinsames Interesse, Fluchtbewegung zu verhindern

Wadephul sagte, angesichts der von der Türkei von 2015 an aufgenommenen syrischen Flüchtlinge sei es richtig und vorausschauend, dass sich Ankara mit der Frage einer neuen Fluchtbewegung wegen des Iran-Krieges beschäftige. Bis heute sehe man zwar keine solche Fluchtbewegung. „Aber wir haben ein gemeinsames Interesse daran, so etwas zu verhindern“.

Europa sei kein unbeteiligt zuschauender Dritter, was den Krieg im Nahen Osten angehe, ergänzte Wadephul. „Wenn es dort zu geopolitischen Umbrüchen, ja gar Zerfall, Bürgerkrieg und Fluchtbewegungen kommt, dann sind wir alle betroffen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen spüren wir ja schon jetzt.“ 

Wadephul war direkt von einer mehrtägigen Krisenreise in den Nahen Osten und die Golfregion nach Ankara gekommen. Der Minister hatte am Montag das EU-Mitglied Zypern besucht, anschließend Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und das Golf-Emirat Katar.

US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran und Angriffe im Libanon

Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die US-israelischen Angriffe erfolgen auch in zivilen Wohngebieten.

Nach Angaben des iranischen UN-Botschafters Amir Saeid Iravani töteten Israel und die USA bisher mindestens 1.348 Zivilisten im Iran. Mehr als 17.000 Zivilisten wurden demnach verletzt. 

Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 39 Tote und Hunderte Verletzte

Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ist auch der schwelende Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Den libanesischen Behörden zufolge wurden bei israelischen Angriffen bislang mindestens 394 Menschen getötet. Mehr als eine halbe Million Menschen seien zudem im Zuge der Angriffe vertrieben worden.