Jerry verlässt Ben & Jerry's nach Palästina-Disput
Die Gründer der Eismarke Ben & Jerry's sind für ihren politischen Aktivismus bekannt. Im Zusammenhang mit ihrer Solidarität für Palästina gab es deswegen Streit mit dem Eigentümerkonzern. Nun zieht Jerry die Reißleine und springt ab.
Die Eismarke Ben & Jerry's verliert nach fast einem halben Jahrhundert einen ihrer Mitgründer: Jerry Greenfield gab am Mittwoch auf X seinen Rückzug bekannt - mit dem Vorwurf, der Eigentümerkonzern Unilever habe politische Aktivitäten unterbunden. Dabei geht es unter anderem um einen Disput um Palästina.
Der Rechtsstreit zwischen Unilever und Ben & Jerry's dauert bereits seit 2021 an. Damals kündigte der im US-Bundesstaat Vermont ansässige Unternehmen an, es werde den Verkauf in den von Israel besetzten Gebieten im Westjordanland einstellen. Denn dies sei „nicht mit unseren Werten vereinbar“. Der Eishersteller bezeichnete zudem Israels Vernichtungskrieg in Gaza als Völkermord.
Greenfield sagte, er könne nicht länger „mit gutem Gewissen“ für ein Unternehmen arbeiten, das von Unilever zum Schweigen gebracht worden sei. Greenfield und der zweite Mitgründer Ben Cohen hatten sich bei dem Verkauf an den Lebensmittelriesen im Jahr 2000 das Recht festschreiben lassen, für ihre Werte einzustehen. Beide blieben im Unternehmen – auch wenn sie das Geschäft nicht mehr steuerten.
Mehr als 20 Jahre lang habe man sich auch unter dem Dach von Unilever „für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte“ eingesetzt, schrieb Greenfield. Jetzt sei Ben & Jerry's aber „zum Schweigen gebracht worden“, aus Angst, die Mächtigen zu verärgern. Unter diesen Umständen könne er nicht mehr im Unternehmen bleiben. Zuletzt hatte es unter anderem Streit mit Unilever um die Entlassung des Chefs von Ben & Jerry's, David Stever, gegeben.
Der Mutterkonzern wies die Vorwürfe zurück. Man sei anderer Meinung und habe ein „konstruktives Gespräch“ mit beiden Gründern gesucht, hieß es in einer Stellungnahme unter anderem beim „Wall Street Journal“.
Unilever will sein Eiskrem-Geschäft – inklusive Ben & Jerry's – bald in ein eigenständiges Unternehmen auslagern. Cohen und Greenfield hatte zuletzt Interesse bekundet, ihre Marke zurückzukaufen, doch Unilever betonte, sie stehe nicht zum Verkauf.