Nach Tötung von UN-Soldaten im Libanon: Indonesien fordert Einhaltung des Völkerrechts

Binnen Tagen sind drei indonesische Unifil-Soldaten im Libanon getötet worden. Während Jakarta eine rasche Aufklärung fordert, warnt Ankara vor der Aggression Israels in der Region.

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Foto: Mohammed Zaatari/AP (Archiv)

Nach der Tötung von drei indonesischen Blauhelmsoldaten im Südlibanon hat die Regierung in Jakarta die Einhaltung des humanitären Völkerrechts angemahnt. Die Sicherheit der Friedenstruppen müsse „oberste Priorität“ haben, erklärte am Dienstag der Sprecher des indonesischen Verteidigungsministeriums, Rico Ricardo Sirait. „Alle Konfliktparteien werden dringend aufgefordert, das humanitäre Völkerrecht zu achten und die Sicherheit des Personals zur Friedenssicherung zu gewährleisten.“ 

Das türkische Außenministerium verurteilte den Vorfall aufs Schärfste und sprach der indonesischen Regierung und Bevölkerung sein Beileid aus. Das Ministerium erklärte in einer Mitteilung am Dienstag, Angriffe auf UN-Einrichtungen und UN-Friedenstruppen stellten einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht dar. 

„Die Verantwortlichen für diese Angriffe müssen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Die israelische Besatzung im Libanon führt zu einer Ausweitung des Krieges in unserer Region und vertieft die Instabilität weiter. Wir erneuern unseren Appell an die internationale Gemeinschaft, die Expansion, Aggression und Besatzung Israels zu beenden“, betonte das türkische Ministerium.  

Am Sonntag war ein indonesischer Soldat der UN-Mission Unifil im Süden des Libanon bei der Explosion eines Geschosses getötet worden. Am Dienstag wurden dann bei einer erneuten Explosion im Südlibanon zwei weitere UN-Soldaten aus Indonesien getötet. Nach Angaben von Unifil wurden bei dem Vorfall am Montag zudem zwei weitere ihrer Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Unifil leitete Ermittlungen zu den Explosionen ein. 

Der UN-Sicherheitsrat will wegen der Vorfälle am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Beantragt hatte die Sitzung Frankreich, Indonesien schloss sich dem Antrag an.

Der indonesische Außenminister Sugiono, der – wie es in Indonesien häufig der Fall ist – nur einen Namen führt, verurteilte die Vorfälle als  „abscheulich“. Sugiono sprach nach eigenen Angaben mit UN-Generalsekretär António Guterres über den Tod der drei indonesischen Blauhelmsoldaten. Dabei habe er um eine „rasche, gründliche und transparente Untersuchung“ gebeten.

Israels Angriffe auf den Libanon: Allein im März über 1200 Todesopfer

Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ist auch der schwelende Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Seither ist eine deutliche Zuspitzung der israelischen Invasion in dem Land zu beobachten, denn Israel schickte Soldaten über die Staatsgrenze. Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz will die Armee im Libanon das Gebiet bis zum Fluss Litani besetzen. 

In den vergangenen zehn Tagen hat Israel bereits mehrere Brücken im Südlibanon zerstört. Katz zufolge wurde das israelische Militär zudem angewiesen, den Abriss libanesischer Häuser in den Grenzdörfern zu beschleunigen. Er verglich das brutale Vorgehen mit dem im Gazastreifen.

Nach libanesischen Angaben sind seit Anfang März mindestens 1.238 Menschen durch israelische Angriffe getötet und mehr als 3.540 weitere verletzt worden – darunter zahlreiche Frauen und Kinder. 

Die Unifil-Friedenstruppe ist seit 1978 im Libanon stationiert, sie umfasst mehr als 10.800 Soldaten und Zivilkräfte. Ende August beschloss der UN-Sicherheitsrat in New York, die UN-Friedensmission im Süden des Libanon bis Ende 2026 zu beenden.