Merz telefoniert mit Israels Ministerpräsidenten Netanjahu

Kurz vor direkten Gesprächen von israelischen und libanesischen Vertretern greifen zwei deutsche Regierungsmitglieder zum Telefonhörer. Wer mit wem spricht und wie Berlin auf die Gespräche blickt.

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Foto: Ariel Schalit/REUTERS (Archiv)

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat kurz vor einem historischen Treffen israelischer und libanesischer Vertreter mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu telefoniert. „Der Bundeskanzler ermutigte Premierminister Netanjahu zur Aufnahme direkter Friedensgespräche mit der libanesischen Regierung. Er sprach sich dafür aus, die Kampfhandlungen im Süden des Libanon zu beenden“, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag in Berlin mit. Die Hisbollah müsse die Waffen niederlegen.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) telefonierte derweil mit seinem libanesischen Amtskollegen Jussef Radschi. Direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon „können ein wichtiger erster Schritt in eine Zukunft sein, in der beides geachtet wird: Israels legitime Sicherheitsinteressen & Libanons Recht auf territoriale Integrität & Souveränität“, hieß es in einem Posting auf X. Die Gegenschläge der Widerstandsorganisation Hisbollah auf Israel müssten aufhören. „Wir unterstützen die Ausübung des Gewaltmonopols Libanons auf seinem ganzen Territorium & die Entwaffnung der Hisbollah. Zugleich muss die israelische Armee Zivilbevölkerung & zivile Infrastruktur schützen.“

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wollen die libanesische Regierung und Israel am Dienstag in Washington direkte Gespräche auf politischer Ebene aufnehmen. Israel und die Hisbollah-Miliz im Libanon befinden sich bereits zum zweiten Mal in rund zwei Jahren in einem offenen Krieg. Die israelische Armee weitete jüngst ihre Invasion im Süden des Nachbarlandes aus. Die libanesische Regierung ist keine aktive Kriegspartei und will eine sofortige Deeskalation sowie den Abzug der israelischen Truppen erreichen. Israel dringt auf die Entwaffnung der Hisbollah, die auch die libanesische Regierung erreichen will. Experten befürchten eine dauerhafte Besetzung Israels im Süden des Libanon – auch nach einer möglichen Entwaffnung der Hisbollah-Miliz.

Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ist auch der schwelende Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Nach libanesischen Angaben tötete Israel seit Anfang März mindestens 2.089 Menschen und verletzte 6.762 weitere – darunter zahlreiche Frauen und Kinder.