Putin-Berater für Marine-Einsatz zum Schutz von russischen Handelsschiffen

Russlands Handelsschiffe werden immer wieder Ziel von Angriffen oder werden von westlichen Staaten festgesetzt. Ein Vertrauter des russischen Präsidenten fordert daher Schutzmaßnahmen und bringt die Marine ins Spiel.

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Foto: Manon Cruz/REUTERS (Archiv)

Russland erwägt möglicherweise den Einsatz seiner Marine, falls Schiffe seiner Handelsflotte von europäischen Staaten geentert werden.Sollten russische Frachter und Tanker festgesetzt werden, könnte dies Vergeltungsmaßnahmen gegen die europäische Schifffahrt nach sich ziehen, zitierte die Zeitung „Argumenty i Fakty“ am Dienstag den Putin-Vertrauten Nikolai Patruschew. „Die beste Garantie für die Sicherheit der Schifffahrt ist wie immer die Marine“, sagte der Vorsitzende des russischen Marinerats dem Blatt. An die USA richtete sich Patruschew nicht explizit, dabei hatte die US-Marine Anfang Januar einen russischen Tanker im Atlantik geentert und verschleppt.

In den wichtigsten Seegebieten, auch fernab von Russland, müssten ständig starke Verbände präsent sein, forderte der Kreml-Berater. Diese müssten in der Lage sein, den Eifer der „westlichen Piraten“ abzukühlen. „Wenn wir ihnen keine entschiedene Abfuhr erteilen, werden die Briten, Franzosen und sogar die Balten bald dermaßen überheblich, dass sie versuchen werden, unserem Land den Zugang zu den Meeren zumindest im Atlantik zu versperren.“

Den Vorwurf westlicher Staaten, Russland umgehe die Sanktionen gegen seine Öl-Exporte mithilfe einer Schattenflotte, wies Patruschew als Fiktion zurück. Zudem vermutet nach seinen Worten die Regierung in Moskau, das westliche Militärbündnis Nato wolle die russische Exklave Kaliningrad an der Ostsee blockieren. Damit wollten die Europäer die Grenzen der russischen Geduld testen, warnte der Putin-Vertraute. „Falls eine friedliche Lösung dieser Lage scheitert, wird die Blockade von der Kriegsmarine gebrochen und vernichtet werden.“

Hintergrund sind die westlichen Sanktionen gegen Russland im Zuge des seit fast vier Jahren andauernden Ukraine-Kriegs. Die USA haben zwei russische Öl-Konzerne mit Strafmaßnahmen belegt, die EU hat unter anderem Einfuhren russischen Öls verboten. Präsident Wladimir Putin hatte die Maßnahmen gegen Tanker der sogenannten Schattenflotte in der Vergangenheit als Piraterie bezeichnet. Die der Schattenflotte zugerechneten Schiffe sind oft nicht registriert oder verschleiern Transportwege und Ladung, um die westlichen Handelssanktionen zu umgehen. Aus Russlands Sicht handelt es sich um normale Handelsgeschäfte.