Türkisch-Deutsche Universität: „Strategische Brücke“ zwischen Türkiye und Deutschland
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Türkisch-Deutsche Universität: „Strategische Brücke“ zwischen Türkiye und DeutschlandDie Türkisch-Deutsche Universität will die Zusammenarbeit zwischen Türkiye und Deutschland weiter vertiefen. Rektor Cemal Yıldız spricht mit TRT Deutsch über neue Studiengänge, KI, internationale Kooperationen und die Zukunft der Hochschule.
Türkisch-Deutsche Universität: „Strategische Brücke“ zwischen Türkiye und Deutschland / Foto: TRT Deutsch

Die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul versteht sich als Bindeglied zwischen Türkiye und Deutschland. Rektor Prof. Dr. Cemal Yıldız sieht die Hochschule dabei nicht nur als gemeinsames Bildungsprojekt, sondern als strategische Plattform für die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen beider Länder. Gegenüber TRT Deutsch sagte Yıldız: „Unsere Mission ist es, zur wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit zwischen Türkiye und Deutschland beizutragen.“

Die Universität verbinde zwei unterschiedliche Hochschulsysteme miteinander und schaffe zugleich ein Modell, in dem akademisches Wissen mit Industrie, Technologie und gesellschaftlichen Bedürfnissen zusammenkomme. Seit ihrer Gründung arbeite die TDU mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und 39 Partneruniversitäten in Deutschland zusammen. Doppelabschlüsse, der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern sowie gemeinsame Forschungsprojekte stärkten diese Kooperation kontinuierlich. Die Universität übernehme damit eine Brückenfunktion, die über die klassische Diplomatie hinausreiche.

Potenzial bei KI, Digitalisierung und Industriekooperationen

Das größte Potenzial der TDU liegt nach Einschätzung von Yıldız in der Verbindung zweier unterschiedlicher Hochschultraditionen. Studierende erhielten dadurch die Möglichkeit, verschiedene akademische Ansätze kennenzulernen und sich auf ein internationales Arbeitsumfeld vorzubereiten.

Für die kommenden Jahre kündigte der Rektor einen weiteren Ausbau der akademischen Infrastruktur, der internationalen Kooperationen und der institutionellen Kapazitäten an. „Insbesondere künstliche Intelligenz, digitale Transformation, Industrie 4.0, praxisorientierte Ausbildung und die Zusammenarbeit zwischen Universität und Industrie bergen ein großes Potenzial“, erklärte Yıldız.

Der technologische Wandel betreffe dabei längst nicht mehr nur technische Fächer. Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaft, grüne Technologien und moderne Produktionssysteme veränderten nahezu alle Bereiche. „Von der Rechtswissenschaft über die Wirtschaft bis hin zu Kultur-, Kommunikations- und Verwaltungswissenschaften muss sich jede Disziplin auf diese neue Phase vorbereiten“, so Yıldız. Entsprechend entwickle die TDU ihre Studienprogramme weiter und stärke interdisziplinäre Programme, Forschungszentren und praxisorientierte Projekte.

Auch beim akademischen Niveau sieht sich die Universität gut positioniert. Neben der fachlichen Ausbildung zeichneten sich die Studierenden laut Yıldız durch ihre Deutsch- und Englischkenntnisse, ihre internationale Arbeitskultur und ihre interdisziplinäre Perspektive aus. Als einen konkreten Indikator nannte er den von Kariyer.net erstellten Hochschulindex zur Arbeitgeberpräferenz: Dort belege die TDU türkiyeweit den vierten Platz. „Für uns ist jedoch der wichtigste Maßstab der Beitrag unserer Absolventen zu Wissenschaft, wirtschaftlicher Entwicklung und Gesellschaft in Türkiye und Deutschland“, sagte der Rektor.

Chancen für junge Menschen aus Deutschland

Auch für junge Menschen aus Deutschland soll die TDU attraktiver werden. Bewerber mit Abitur und den erforderlichen Noten könnten sich im Rahmen der internationalen Studienplätze bewerben. Besonders für junge Menschen mit türkischer Familiengeschichte und Deutsch als Muttersprache biete das Modell der Universität besondere Möglichkeiten.

Sie könnten ihre in Deutschland erworbenen akademischen Kenntnisse in Türkiye weiterentwickeln und zugleich in einem internationalen Umfeld studieren. „Unsere mehrsprachige Ausbildung und unser internationales akademisches Umfeld sind für diese Studierenden ein wichtiger Vorteil“, erklärte Yıldız.

Parallel dazu erweitert die Hochschule ihr Studienangebot. Mit den Studiengängen Deutsche Sprache und Literatur sowie Psychologie soll insbesondere die mehrsprachige und interkulturelle Ausrichtung gestärkt werden.

Der Studiengang Deutsche Sprache und Literatur wurde in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) entwickelt. Ziel sei es, Studierenden hohe Kompetenzen in deutscher und türkischer Sprache zu vermitteln und sprachliche sowie kulturelle Phänomene vergleichend zu untersuchen. Absolventen sollten sowohl für weiterführende wissenschaftliche Arbeiten als auch für Berufsfelder wie Bildung, Verlagswesen, Medien und Kommunikation qualifiziert werden.

Der Psychologie-Studiengang entstand hingegen in akademischer Partnerschaft mit der Universität Heidelberg. Rund 30 Prozent des Unterrichts finden auf Deutsch statt. Das vierjährige Bachelorprogramm verbinde theoretische Grundlagen mit wissenschaftlicher Forschung und praktischen Kompetenzen. „Wir wollen Psychologen ausbilden, die kritisch und analytisch denken und sich ethischen Prinzipien verpflichtet fühlen“, sagte Yıldız. Durch den mit Heidelberg abgestimmten Lehrplan sollten die Studierenden zudem sowohl in deutscher als auch in englischer Fachterminologie sicher werden.

Weitere Studiengänge seien grundsätzlich geplant beziehungsweise würden geprüft. Entscheidend sei, dass sie das internationale Kooperationsnetz erweiterten und den interdisziplinären sowie interkulturellen Ansatz der Universität auf weitere Fachbereiche übertrügen.

Mevlüde Genç als Symbol für das Zusammenleben

Eine besondere Bedeutung misst Yıldız der Benennung der Universitätsbibliothek nach Mevlüde Genç bei. Sie habe trotz des großen persönlichen Leids, das sie erfahren habe, stets Menschlichkeit, Toleranz und gesellschaftliches Zusammenleben in den Vordergrund gestellt.

„Dass ihr Name in unserer Universitätsbibliothek weiterlebt, steht in einem sehr bedeutungsvollen Zusammenhang mit den Werten des interkulturellen Dialogs, des gegenseitigen Verständnisses und des Zusammenlebens, für die unsere Universität steht“, erklärte Yıldız. Die Entscheidung zeige zugleich, dass die TDU nicht nur wissenschaftliche Leistung, sondern auch universelle menschliche Werte als Teil ihres Selbstverständnisses betrachte.

„Gemeinsam die Zukunft gestalten“

Langfristig soll sich die Türkisch-Deutsche Universität nach den Vorstellungen ihres Rektors zu einem strategischen Zentrum entwickeln, an dem Türkiye und Deutschland gemeinsam forschen und Zukunft gestalten.

„Unser Ziel ist eine Universität mit hoher Forschungskapazität, starken internationalen Kooperationen und Absolventen, die weltweit gefragt sind“, sagte Yıldız. Die Studierenden sollten nicht nur auf heutige Berufe, sondern auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet werden. Internationale Partnerschaften, eine starke akademische Struktur, Forschungsinfrastruktur und mehrsprachige Ausbildung bildeten dafür die Grundlage.

Für Yıldız hat diese Aufgabe auch eine persönliche Dimension. Während seiner beruflichen Laufbahn habe er die deutsch-türkischen Bildungsbeziehungen intensiv kennengelernt und selbst in diesem Bereich gearbeitet. Seine heutige Tätigkeit an der TDU ermögliche es ihm, diese Erfahrungen institutionell einzubringen.

„Für mich ist die Türkisch-Deutsche Universität nicht nur eine Hochschule“, sagte Yıldız. Sie sei vielmehr „ein besonderer akademischer Raum, in dem sich unterschiedliche Kulturen gegenseitig bereichern, gemeinsam Wissen produzieren und gemeinsam die Zukunft gestalten“.

Als Beleg für den Erfolg des bisherigen Modells verwies der Rektor auf Absolventen, die in Türkiye und Deutschland in Wissenschaft und Wirtschaft tätig seien. Auch Rückmeldungen aus Unternehmen fielen positiv aus. Besonders hervorgehoben würden die Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten, Problemlösungskompetenz und die Anpassung an internationale Arbeitskulturen. Hinzu kämen Akkreditierungen der Universität sowie einzelner Fakultäten und Studiengänge. Diese Entwicklungen zeigten nach Einschätzung von Yıldız, „dass wir ein richtiges Bildungsmodell aufgebaut haben“.

QUELLE:TRT Deutsch