DIE TÜRKEI IM RUCKSACK (2012-09)

Eine Sendereihe über die Sehenswürdigkeiten in der Türkei.

Die Türkei im Rucksack (2012-09)
Posted 28.02.2012 11:59:38 UTC
Updated 28.02.2012 11:59:38 UTC

9.000 von 700.000 Quadratkilometern der Gesamtfläche der Türkei sind mit natürlichen Seen und über 3.000 Quadratkilometer mit künstlichen Seen bedeckt. Heute werden wir einen Ausflug zu den Dörfern im Westen von Anatolien machen, die in der Umgebung des Demirköprü- Staudammseesan der Mündungsstelle des Gediz- Flusses ins ägäische Meer errichtet worden sind. Der Bau des Demirköprüs Staudammsees fing im Jahre 1954 an und endete 1960. Die Zahl der Dörfer, die unter der 5.000 Hektar großen Fläche des Sees verborgen sind, beträgt 18. In den umliegenden Dörfern hat sich das Leben verändert. Die Fischerei, die die Bewohner vor 40 Jahren erlernt haben, ist für viele eine Einkommensquelle. Gegen Abend werfen sie ihre Netze aus und in den frühen Morgenstunden holen sie sie wieder ein. Es bleiben Welse und Barsche im Netz hängen. Auf, wir wollen uns nun auf die Dorfwege machen.

Der Ort, den wir besuchen werden, befindet sich im Westen von Anatolien, innerhalb der Stadtgrenzen von Manisa. In Salihli steigen wir in einen Bus, der zu den Dörfern fahren wird. Nach einer Fahrt auf der großen Salihli-Ebene begeben wir uns auf die Hügel. Nach kurzem Anhalten in den Dörfern setzen wir unsere Reisefort. Die mit Pappeln umwachsenen Tabak- und Baumwollfelder sowie Gärten sind ein schöner Anblick. Es ist noch früh am Morgen, als wir von weitem den Dibek Berg erblicken. Deswegen ist noch kein Verkehr auf den Strassen. Wir lassen die kurvenreiche und schlecht gebaute Strasse hinter uns und steigen an der Ausfahrt zum Cicikli Dorf aus. Von hier aus sind es noch 7 Km bis zu unserem Zielort Gökeyüp. Da die Busse, die am Wochenende von Salihli losfahren, nicht nach Gökeyüp fahren, müssen wir hier aussteigen. 7 Kilometer ist eine gehbare Strecke, doch wir wollen so schnell wie möglich nach Gökeyüp. Deswegen werden wir den Rat des Busfahrers befolgen und ein Auto anhalten. Als wir aus dem Bus stiegen sagt der Fahrer zu uns: „Sie werden an der Ausfahrt ganz bestimmt ein Auto anhalten, das sie ins Dorf fahren wird.“ Gerade als wir überlegten, ob wir auch wirklich eins finden werden, hielt ein Auto an. Die Familie in dem Auto war auf dem Weg zu einem Beschneidungsfest im Gökeyüp Dorf. Wir stiegen ein. Nun waren wir nicht mehr nur auf den Weg ins Gökeyüp Dorf, sondern auch zu einem Beschneidungsfest. Wir fahren mit dem Auto den Hügel herauf. Wie wir uns gerade dachten, dass das Gökeyüp Dorf auf einem der Hügel des Berges errichtet worden ist, um von dort aus den See besser zu sehen zu könne, fiel uns ein, dass das Dorf schon lange Zeit vor der Entstehung des Sees errichtet worden war. Die ersten Bewohner des Dorfes dachten sich bestimmt nicht, dass einmal eine Mauer vor das von unten fließende Wasser gezogen wird und dass dann Staudamm genannt wird und dass sich das Wasser hinter dieser Mauer zu einem See ansammeln und viele Dörfer überschwemmt werden. Endlich erreichten wir das Dorf. Gökeyüp liegt in 50 Kilometer Entfernung zu Salihli, wo wir in den Bus eingestiegen waren. 43 Kilometer dieser Strecke haben wir mit einem Bus und 7 Kilometer mit einem Auto zurückgelegt. Die Strassen und Häuser des Dorfes sind verlassen. Denn jeder hat sich im Hof versammelt, in dem die Beschneidung gefeiert wird. Frau und Mann, Kind und Kegel, Jung und Alt, jeder hat sich im Hof versammelt. Die Motorräder der aus nahe gelegenen Besucher sind auf einer Seite geparkt und die Autos der von weiter gekommen Besucher auf der anderen Seite. Auf den Treppen des zweistöckigen Hauses war ein kleiner Junge in Padischach-Kostüm zu sehen. In der Türkei ist es Brauch den Jungen, der beschritten wird, wie einen anderen Brauch. Nach der Beschneidungszeremonie fährt ein langer Geleitzug hupend vorbei. Die geistlichen des Dorfes mit ihren bedruckten Stoffen um den Hals und Rücken schauen dem Geleitzug nach. Da sich jeder dem Geleitzug angeschlossen hatte, wurde der Hof des Hauses leer und die großen Kessel, die im Schatten der gelben Tücher, die den Hof bedeckten, fielen uns plötzlich auf. Nicht nur die Größe der Kessel, in denen das Essen für die Gäste vorbereitet wurde, sondern auch das sie aus Ton angefertigt waren, war interessant.

Es ist möglich 1.000 verschiedene Tongefässe hier in diesem Dorf vorzufinden. Die 50-jährige Hanife, die gerade dabei war eine Linsenschlüssel auf der Töpferscheibe zu töpfern, sagte: „So lange ich mich erinnern kann, töpfere ich“. Sie tropfte ein paar Tropfen Wasser auf den Ton und fuhr fort. „Schon vor meiner Heirat war ich Töpferin und bin es heute noch…“ Dann nahm sie einen glänzenden Sand in die Hand und streute diesen über den Ton und vermengte diesen. Sie nahm sich ein bisschen von diesem Gemisch und klatschte auf den Ton. Dann formte sie ihn wieder. Hanife deutete auf einen Haufen Ton in der Ecke und sagte: „Wir holen uns den Ton vom Staudamm. Unser Ramazan bringt uns 3 bis 4 Kellen.“ Die Schmortöpfe, die darauf warten auf das Feuer gestellt zu werden, standen noch unter der Sonne. Die 16-jährige Tochter von Hanife legte das Feuerholz auf.    

Doch ihre 17-jährige Nachbarin Zeliha wollte es erst gar nicht lernen. „warum sollte ich mir Sorge aufhalsen.“ Daraufhin sagt Hanife: „Du hast Recht. Hätten wir das nicht gelernt, könnten wir jetzt auch spazieren gehen, nicht wahr?“ In dem Gökeyüp Dorf mit seinen 2.400 Einwohnern und 550 Familien ist die Töpferei ein wichtiges Arbeitsgebiet. Jedes Jahr werden 4.000 bis 5.000 Tongefässe hergestellt. Tabak ist eine weitere Einnahmequelle. Außerdem verkaufen sie die aus Eichenholzrinde gewonnene Farbe und machen das Innere zu Tierfutter. Sie bauen Sesam an und alle Arten von Gemüse in ihren Gärten. Doch niemand aus dem Gökeyüp- Dorf fischt im nahegelegenen Staudamm. Der fast 40 Jahre alte Staudamm wurde zur Vorbeugung der Überschwemmungen und zur Energieerzeugung gebaut. Gleichzeitig bewässert er 99.000 Hektar Land. Der See, mit einer Fläche von 5.060 Quadratkilometer ist mit seinen 5 Forellen-Farmen der Fischerei offen. Nur 3 Dörfer am Rande des Sees betrachten, die Fischerei als Einnahmequelle. Wir fahren in das nächstgelegene dieser Dörfer, in das Cariklar Dorf. Hier fallen die Häuser und Hofwände auf. Mit flachen und glatten Steinen sind die Wände errichtet worden. Diese Wände, die ungefähr 1 Meter hoch sind, schützen im Sommer vor der Hitze und im Winter vor der Kälte. Diese zweistöckigen, dachlosen, mit Holz abgedeckten Häuser sind nicht typisch für die Architektur und den Häusern, die sich bis zum See erstrecken. Der Ortsvorsteher und Fischer Mehmet Dogan führt uns zu einem Hügel. Hier sahen wir eine 130 Meter tiefliegende vulkanische Grube und die Fußspuren des „Homo erectus“.

Diese menschenähnlichen Fußspuren versetzten einige Wissenschaftler bis zu 250.000 Jahre in die Vergangenheit und die Diskussionen dauern heute noch an. Wie kam es dazu, dass sich diese Fußspuren bis in die heutige Zeit halten konnten? Prof. Dr. Bezih Tuncu von der 9 Eylül Universität in Izmir berichtet wie folgend darüber: „Die Spuren haben sich auf feuchtem, dreckigen Boden gebildet. Später brannte die heiße Asche des Vulkans den Ton und ermöglichte es, dass die Spuren wie ein Ziegelstein 10.000 von Jahren bestehen konnten. Da die Basalttuffschicht, auf der sich die Spuren befinden, an die Oberfläche kam, ist es möglich, die Spuren des „Homo erectus“ heute noch zu sehen. Die Schritte machen den Anschein, dass derjenige nicht fest aufgetreten ist, sondern er gerannt wäre. Als wir uns Gedanken darüber machen, sagte unser Führer der Fischer Mehmet Dogan: „vielleicht war er vor einem Hund geflohen!“.