DIE TÜRKEI IM RUCKSACK (2012-19)

Eine Sendereihe über die Sehenswürdigkeiten in der Türkei.

Die Türkei im Rucksack (2012-19)
Posted 08.05.2012 09:29:15 UTC
Updated 08.05.2012 09:29:15 UTC

In unserem heutigen Programm sind wir am Ende des Kulturmarathons in Istanbul angekommen. Angekommen an der Istiklal Strasse, also der Unabhängigkeitsstrasse, die zu Zeit der Osmanen Cadde-i Kebir genannt wurde, schauten wir uns nach einem Bediensteten des Instituts um, der uns die letzten Rätsel geben sollte. Diese Strasse ist Kraftfahrzeugen gesperrt. Das einzige öffentliche Verkehrsmittel, das auf der Strasse anzutreffen ist, ist die Straßenbahn, doch wir sahen ein Caprio in einer der unteren Strassen verschwinden. Im Wagen saßen Personen, die blau, weiß und rot gekleidet waren. Sie hatten wahrscheinlich eine Sondererlaubnis erworben, um die Strasse befahren zu können. Diese Personen waren wahrscheinlich die Veranstalter dieses Marathons. Plötzlich tauchte eine Gruppe an der gegenüberliegenden Ecke auf. Einer von uns sagte: “Sie kamen aus dem Cafe.“ Und sofort begaben wir uns auch in dieses Kaffee. Das Kaffee hieß „Grammophon Cafe“ und es wurde jeden Abend live Jazz Musik in diesem Kaffee gespielt. Außer unserer Gruppe waren auch andere Gruppen des Marathons in dem Kaffee. Während wir warteten, schauten wir uns das Menu an. Eine unserer Aufgaben bestand darin, dass beste Objekt, das Frankreich repräsentiert, zu finden. Vielleicht hätten wir ja im Menu einen Anhaltspunkt finden können. Neben französischen Gerichten waren auch Süßspeisen und Getränke der österreichischen Küche im Menu. Kurze Zeit später erhielten wir unser Rätsel, verließen das Cafe und lasen es sofort:“ Begebt euch zu dem Ort der weder schwarz-weiß, noch gelb-blau ist und schließt euch uns an. Lauft am französischen Palast vorbei, um an diesen Ort zu gelangen.“ Was hatten diese Farben zu bedeuten? Wo war dieser Ort, der weder schwarz, weiß noch gelb und blau ist? Das war ein richtiges Rätsel. Wir machten uns zuerst auf den Weg zum französischen Palast. Welches war dieses Gebäude? Wir waren der Ansicht, dass es das französische Botschaftsgebäude aus der osmanischen Ära in der Nur-u Ziya Strasse sein musste. Diese Strasse lag weit Weg.

Die Istiklal Strasse ist nachdem Divanweg die zweitberühmteste Strasse der Stadt. Alle beiden Strassen sind dem Verkehr gesperrt. Das eine Ende des Divanwegs erreicht den bedeckten Basar. Die Istiklal Strasse schneidet den Sultan Ahmet Platz und führt bis zur Hagia Sophia. Auf unserem Weg trafen wir überall osmanische Bauwerke an, z.B. Medressen, die aber für verschiedene Zwecke umgebaut wurden. Unter den anderen Gebäuden auf der Strasse befinden sich auch die Konsulatsgebäude Russlands, Hollands und Schwedens. Auch gibt es einige Kirchen auf der Strasse. Eine von diesen ist die Katholische Kirche Santa Maria Draporis neben dem Konsulat der russischen Föderation. Diese Kirche wurde nach dem Brand in 1871 von den Franziskanern neu erbaut. Auf einer Inschrift an dem Gebäude wird Sultan Abdulhamid dem 2. und dem damaligen Bürgermeister der Stadt für seine Unterstützung am Wiederaufbau der Kirche gedankt. Nach dieser Kirche erreichten wir die größte Kirche von Istanbul, nämlich die Kirche St. Antoine. Sie wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts von dem italienischen Architekten Mongeri, im italienisch-gotischen Still erbaut. Wir bogen in die Strasse ein, auf der sich der französische Palast befand und der als französisches Konsulat dient.

Eines unserer Rätsel lautete: „Warum erinnert man sich am vorbeilaufen am französischen Palast an George Sand?“ Die französische Schriftstellerin George Sand war die große Liebe des polnischen Komponisten Chopin. Der ungarische Pianist und zugleich Komponist Liszt war mit allen beiden befreundet. Nachdem Liszt nach Istanbul kam, wohnte er eine Zeit lang hier in dieser Strasse. Doch diese Gebäude wurden abgerissen und ihrer Stelle wurde ein neues Gebäude errichtet. Auf der Inschrift am Gebäude steht geschrieben, das Liszt zuvor hier gewohnt hat…

Endlich waren wir angekommen am französischen Palast. Wenn der Brand von 1831 nicht gewesen wäre, würde hier heute ein noch älterer Palast als das Schloss Versailles stehen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Osmanen und Franzosen sind bis 1525 zurückzuführen. Der erste französische Palast wurde in dieser Zeit erbaut. Doch dieser Palast wurde nach dem Brand von 1831erbaut. Nun war es Zeit das letzte Rätsel zu lösen. Schließen sie sich uns an dem Ort der weder schwarz-weiß, noch blau-gelb ist, an.“ So hieß es im Rätsel. Einer unserer Freunde rief. “Hey, das könnte das grüne Kaffee hier in der Gegend sein. Aber die genaue Adresse weiß ich jetzt nicht. Wir können ja Passenten fragen.“ Doch keiner der Passenten kannte den Ort. Hoffnungslos liefen wir den Weg runter und plötzlich rief einer von uns: „Ich hab’s. Das Galatasaray-Gymnasium.“ Was hatte das zu bedeuten? Gelb und rot sind die Farben der Galatasaray Fußballmannschaft. Diese Mannschaft wurde von den Schülern dieses Gymnasiums gegründet. Und die ewigen Rivalen des Galatasaray Fußballvereins sind Beşiktaş mit der Farbe schwarz und weiß und Fenerbahçe mit den Farben gelb und blau. Somit war das Rätsel gelöst. Wir gingen zu dem Ort, der weder schwarz und weiß, noch blau und gelb war, nämlich zum Galatasaray Gymnasium. Unser Freund, der dieses Rätsel löste, hatte dieses Gymnasium absolviert. Das Gymnasium wurde 1868 gegründet und richtete sich nach dem europäischen Lehrplan. Der Unterricht und die Ausbildung an diesem Gymnasium erfolgten zu dieser Zeit auf Französisch, denn damals herrschte in ganz Europa die französische Kultur und Politik. Auch heute noch werden manche Unterrichte auf Französisch abgehalten. Wir verfolgten die Strasse neben dem Gymnasium und gelangten wieder auf die Istiklalstrasse, doch fehlten uns zwei Sachen. Eine von diesen war das interessante französische Objekt, das uns während des Marathons aufgefallen war. Eie Gruppe, die gerade aus dem Gymnasium herausgelaufen kam, hielt einen Hahn mit rotem Kamm in der Hand. Sie sagten uns, dass sie diesen aus dem ägyptischen Bazar haben. Nach einer kurzen Beratung, schlug einer vor, dass wir „Beze“ kaufen sollten. Diese Süßspeise wird aus Eiweiß und Zucker zubereitet. Auf Französisch heißt diese Süßspeise „Meringue“. Der türkische Name dagegen bedeutet im Französischen „Küsschen“. Wir wollten uns aus diesem Wortspiel einen Vorteil verschaffen. Diese Süßspeise kommt aus der französischen Küche. Wir kauften uns in der Haci Bekir Bäckerei, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde, von dieser Süßspeise und schrieben auf die Verpackung „bezelerimizle“ also „Gruß und Kuss“. Jetzt fehlte nur noch ein passender Slogan, der einen Stadtteil von Istanbul beschreiben sollte. Wir wussten nicht welchen Ort wir für diesen Slogan benutzen sollten. Jeder Ort und alles hatte uns beeindruckt. Wir hatten die Frage falsch verstanden, es wurde nach einem Slogan für ganz Istanbul verlangt. Die postmoderne Struktur und die Vielfalt der Stadt vor Augen haltend, einigten wir uns auf den folgenden Slogan:“ Wir sahen einen Teil von Istanbul und wurden mit Sachen überrascht, die wir uns nicht einmal vorstellen konnten.“

Die 3000 Jahre alte Stadt hat uns noch einmal verzaubert. Wer weiß, vielleicht werden wir ein anderes Mal nach den Farben der österreichischen, ungarischen, russischen und arabischen Kultur in Istanbul suchen und wer weiß was wir noch alles entdecken werden.