ICH ÜBER MICH (2012-29)

Eine Sendereihe über wichtige historische Persönlichkeiten.

Ich über Mich (2012-29)
Posted 21.07.2012 08:30:20 UTC
Updated 21.07.2012 08:32:56 UTC

Ich Ahmet Mithat… Ich bin tatsächlich ein populärerer Schriftsteller der türkischen Literatur. Des Weiteren bin ich Journalist und Verleger.

Wer ich bin? Nun.. Lasst uns kennenlernen

Ich bin im Jahre 1844 in Tophane bei Istanbul geboren. Mir wurde der Name Ahmet gegeben. Mein Vater ist der Stoffverkäufer Süleyman Aga und meine Mutter die Schneiderin Nefise Hanim. Als ich 6 Jahre alt war verstarb mein Vater. Von nun war es für uns schwierig, über die Runden zu kommen. Es waren schwierige Tage. Meine schulische Laufbahn bis zum Lyzeum verging zwischen Vidin, wo mein großer Bruder tätig war und Istanbul. Ich habe meine schulische Bildung in Vidin und Istanbul abgeschlossen. Als ich in Istanbul war, habe ich sogar im Basar als Lehrling gearbeitet.

Für diejenigen, die neugierig sind, wie mein bürgerlicher Name Ahmet zu Ahmet Mithat geworden ist, kann ich schnell erklären. Mithat Pascha, der größte Staatsmann seinerzeit bestellte meinen großen Bruder nach Rustschuk, dem Regierungszentrum. Demzufolge habe ich meinem älteren Bruder Folge geleistet und ging auch dahin. Ich begann in einem staatlichen Institut als Beamter zu arbeiten. Inzwischen versuchte ich Arabisch, Persisch und Französisch zu lernen. Mein Eifer fiel dem Mithat Pascha auf und gab mir die Ehre mir seinen Namen zu geben. So wurde mein Name Ahmet mit dem Zusatz „Ahmet Mithat“

Als die Kalender das Datum 1866 anzeigten, heiratete ich auf Drängen meiner Familie.Inzwischen arbeitete ich bei meinem großen Bruder in Sofia als Dolmetscher. Kurze Zeit später kam ich nach Rustschuk zurück und arbeitete in verschiedenen Ämtern. Zwei Jahre später wurde ich Chefredakteur bei der Zeitung Tuna. Diese Zeit war für mich sehr wichtig. Denn ich hatte nach der Bekanntschaft mit dem Präsidenten des Migraten-Ausschusses Şakir Bey die Gelegenheit, da ich eine Zeitlang bei ihnen als Gast wohnen durfte, die gut bestückte  Bibliothek zu nutzen. Die Ehefrau von Şakir Bey war eine Rumänin. Sie trug dazu bei, dass ich die westliche Kunst kennen lernte. Als Jedoch Mithat Pascha der Statthalter von Bagdad wurde, hat er Şakir Pascha zum Gouverneur von Bagdad berufen.Şakir Pascha und seine Ehefrau hatten mir neue Möglichkeiten geboten, die ich nicht abschlagen wollte. Ich wollte auch nach Bagdad.  Mithat Pascha hat meinen Wunsch nicht abgelehnt und mich zur Gründung einer Druckerei nach Bagdad geschickt. Außerdem sollte ich die Zeitung “Zevra” leiten, die dort herausgegeben werden sollte. Während meiner Bagdad-Reise habe ich Osman Hamdi Bey kennen gelernt. Dank seiner Freundschaft habe ich die westliche Kultur besser kennen gelernt. Ich hatte die Möglichkeit durch die Bekanntschaften, die die ich in Bagdad hatte, mein Kulturwissen zu erweitern. Mein Eifer nach Lernen wurde angespornt. In Bagdad habe ich sowohl die Zeitung geführt als auch für die Studenten der Kunstschule ein Buch der Naturwissenschaften vorbereitet. In dieser Zeit hatte ich Briefverkehr mit dem Bildungsminister Saffet Pascha. Dieser Schriftverkehr erweckte bei mir den Wunsch zur Rückkehr nach Istanbul. Leider sollte dieser Wunsch mit einem tragischen Vorfall ein Muss sein. Denn mein großer Bruder Hafiz Ibrahim, der Staathalter von Bagdad verstarb. Nun war es meine Pflicht, für den Unterhalt meiner Familie zu sorgen.

Ich bin nach Istanbul zurückgekehrt und habe begonnen für zwei verschiedene Zeitungen zu arbeiten. In dieser Zeit habe ich meine Druckerei eröffnet und die Bücher gedruckt, die ich verfasst habe. In dieser Periode habe ich die erste Geschichtssammlung der türkischen Literatur, die „Letaif-i Rivayet“ geschrieben. Ich verfasste immer weiter und versuchte mit Erlösen dieser Bücherverkäufe über die Runden zu kommen. Schreiben, schreiben und noch mal schreiben. Ich schrieb immer weiter und arbeitete für Zeitungen und Zeitschriften.  Meine Freundschaft mit Namık Kemal, der die türkische Literatur auf seine Art prägte, hat mein Horizont erweitert. Ich habe politische Artikel verfasst. Als ich der Regierung wiedersprach, wurde ich nach Rhodos verbannt. Ich habe etwa drei Jahre lang auf Rhodos gelebt. Auch diese Zeit verbrachte ich mit Lesen und Schreiben. Ich erteilte außerdem den Kindern auf Rhodos Unterricht. Ich habe sogar eine Grundschule unter dem Namen „Medreseyi Süleymaniye“ eröffnet. Es waren die produktivsten Jahre meines Lebens. Mit dem neuen Padischah wurde auch Generalamnestie ausgerufen und ich konnte in meine Stadt, nach Istanbul zurückkehren. Ich war als Journalist, Verleger und Romanschriftsteller tätig. Ich habe  am 27.Juni 1878 mit der Unterstützung des Palasts die Zeitung Tercüman-ı Hakikat herausgegeben. Es handelte sich dabei um die einflussreichsten und am längsten beständige Veröffentlichung der osmanischen Pressegeschichte. Zu Anfang habe ich alle Zeitungsartikel selbst geschrieben. Im Laufe der Zeit haben wir für unsere Zeitung wichtige Persönlichkeiten wie Ahmet Cevdet, Hüseyin Rahmi und Ahmet Rasim engagiert. Ein Jahr später wurde ich Leiter der staatlichen Druckerei. 

Im Jahre 1888 hat mich der Staat mit drei Medaillen geehrt. Außerdem habe ich auf dem VIII. Orientalistik Kongress in Stockholm die Türkei vertreten. Nach meiner Rückkehr habe ich meine Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben. Nach meiner Pensionierung habe ich mit dem Ministerratsbeschluss an den Universitäten gelehrt. Ich war auch als freiwilliger Lehrer tätig. Während einer Unterrichtsstunde meiner freiwilligen Lehrerschaft verabschiedete ich mich am 28. Dezember 1912 von dieser Welt.

Ich Ahmet Mithat… In der Geschichte bin ich als erste populärer Schriftsteller bekannt. In meiner Hinterlassenschaft befinden sich über 200 Werke. Mein größter Wunsch war es, eine belesene Generation zu verschaffen. Während ich in meinen Werken die Wissenschaft, Industrie und den Fleiß des Westens lobte, habe ich andererseits dafür plädiert, die moralischen Werte der osmanischen Gesellschaft zu wahren. Ich habe junge Schriftsteller stets unterstützt. Ich war dafür, die Sprache zu vereinfachen. Die Romanübersetzungen aus dem Französischen galten als die ersten Übersetzungsbeispiele der westlichen Literatur.

Ich grüße euch alle in der Gegenwart aus der Vergangenheit.