DIE TÜRKEI IM RUCKSACK (2012-07)

Eine Sendereihe über die Sehenswürdigkeiten in der Türkei.

Die Türkei im Rucksack (2012-07)
Posted 14.02.2012 11:17:26 UTC
Updated 14.02.2012 11:17:26 UTC

Heute werden wir nach Izmir reisen. Izmir ist eine der größten Städte der Türkei und einer der wichtigsten Häfen der Ägäis. Das ägäische Meer schmiegt sich wie ein Stiefel an die anatolische Küste. Hier befindet sich die Stadt Izmir. Izmir ist eine lebendige, dynamische und bequeme Stadt, sie wird meistens mit einer Frau vergleichen. In dieser Stadt gibt es alles wonach man sich sehnt: 5 Sterne Hotels, Restaurants, Bars, Kaffees, Kneipen und Vergnügungsorte und ein lebendiges Nacht- und Kulturleben. Izmir bietet mit seinen Parkanlagen und seiner Umgebung unvergleichliche Möglichkeiten. Eigentlich reisen wir heute nicht nach Izmir, sondern in ein wichtiges Bewässerungsgebiet im Norden der Izmir Bucht.

Unser heutiges Ziel ist das Gediz-Delta, an der Mündungsstelle des Gediz Flusses in das Meer. Die Fläche des Delta beträgt 40.000 Hektar. Ganz besonders 20.400 Hektar dieses Gebietes sind in Hinsicht auf das natürliche Leben der Vögel sehr wichtig. Es gibt 5 Deltas in der Ägäis und an der Mittelmeerküste, die eine Heerberge für viele Wasservögel sind. Das Gediz-Delta ist eines von diesen. Süß- und Salzwassersümpfe, kleinere Meeresbuchten, Salzgruben und vier Lagunen; dieses wasserreiche Gebiet bildet für viele vor dem Aussterben bedrohte Vogelarten die Möglichkeit sich zu vermehren. Für die Fortpflanzung der Wasservögel in den Deltas sind die Inseln die wichtigsten Bestandteile. Die Struktur der Inseln im Gediz-Delta weicht meistens von der Struktur, die man sich vorstellt, ab. Wenn wir in das Gediz-Delta, das 25 Km nordwestlich von Izmir liegt, fahren, nehmen wir ein Fernglas und ein Teleskop mit. Wir besichtigen die Delta-Inseln. Die Oberfläche der verschiedengroßen Inseln sind meistens mit Salzwasser Pflanzen oder Muscheln bedeckt. Die Delta-Inseln sind für natürliche Feinde, die nicht fliegen können, wegen der seichten Sümpfe nicht zu durchqueren. Deswegen können Meeresvögel hier im natürlichen Umfeld große Fortpflanzungskolonien bilden und ihre Jungvögel aufziehen. Eine große Kolonie der seltenen Vogelart Sterna Caspia befindet sich im Gediz-Delta. Das Delta-Gebiet ist für die weit verbreitete Vogelart Sterna Hirundo das drittgrößte Fortpflanzungsgebiet. Die Vogelart Serna Andvicensis pflanzt sich nur in diesem Gebiet der Türkei fort. Eine weitere Vogelart dieses Gebietes, die man erwähnen muss, ist der Pelecanus Chrispus. Von dieser Art gibt es nur noch 3500- 4000 lebendige Exemplare. Ihre Fortpflanzungskolonien befinden sich auch auf drei Inseln, die nebeneinander liegen. Es wäre ein Fehler während der Reise durch das Vogelparadies, auf die Inseln zu gehen…

So ein Fehler könnte dazu führen, dass sich die Kolonien auflösen. Deswegen ist es nicht möglich, außer für kurze wissenschaftliche Studien, auf die Inseln zu gehen.

Die Lagunen im Delta sind für Vögel und Enten ein wichtiges Nahrungsgebiet. Es gibt auch Salzebenen im Gediz-Delta. Diese Ebenen, die auf den ersten Blick keine Funktion zu haben scheinen, diene eigentlich als Fortpflanzungsgebiet für verschiedene Vogelarten. Außerdem bilden diese Salzebenen den ersten Ring der Nahrungskette für die Meereslebewesen. Die Çamaltı Salzgrube im Westen des Deltas dient seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zur Gewinnung von Salz. Eine der wichtigsten Vogelarten, die sich hier fortpflanzen, ist die Flamingoart Phoenicopterus Ruber. Die langen Beine und der lange Hals dieser Vogelart ermöglicht ihnen in tiefen Gewässern zu laufen und sich zu ernähren. In den Wintermonaten kann man diese Vogelart fast überall im Vogelparadies antreffen. Doch in den Sommermonaten verringert sich ihre Zahl und ungefähr 500 Pärchen brüten ihre Eier in den Lehmnestern aus. Studien haben erwiesen, dass diese Art bereits vor 50 Millionen Jahren auf der Welt gelebt hat. Die Zahl dieser Art wird auf 500.000 geschätzt. Die große Flamingokolonie befindet sich nicht in der Gediz-Salzgrube, sondern im Salzsee in Zentralanatolien. Der Anblick der im Wasser stehenden Flamingos ist unvergleichlich schön. Die rosa Farbe dieser Vogelart ist auf ihre Ernährung zurückzuführen. Die rosa Muscheln, die die Flamingos mit ihren Schnäbeln aus dem Wasser fischen, verleiht ihren Flügeln die rosa Farbe. Ein zwei Jahre alter Flamingo erreicht das Fortpflanzungsalter. Die männlichen Flamingos sind größer als die weiblichen. Die männlichen und weiblichen Flamingos bauen zusammen mit ihren Schnäbeln das Nest aus Lehm. Doch das Weibchen legt die Eier noch vor Beendigung des Nestes. Während der Brutzeit von 27-31 Tagen erhöhen die Pärchen ständig die Wände des Nestes, damit kein Wasser in das Innere eindringt. Gegen Feinde wie Möwen oder Füchse wehrt sich die Kolonie gemeinsam.

Das Schlüpfen aus dem Ei dauert ungefähr 24-36 Stunden. Das Flamingopärchen kann bereits mit dem Jungvogel kommunizieren, während es sich noch im Ei befindet. In den ersten acht Tagen nach dem Schlüpfen aus dem Ei wird es mit einer Art Milch ernährt. Die Jungvögel entwickeln sich sehr schnell. Sie entfernen sich vom Nest und bilden kleine Gemeinschaften. Das Elternpaar erkennt ihren jungen Flamingo an der Stimme. Eine weitere Besonderheit der Flamingos ist, dass sie über 50 Jahre leben.

Das Vogelparadies in Izmir bietet uns die Möglichkeit interessante Beobachtungen zu machen. Dieses Paradies, das die Heimat für 190 Vogelarten ist, hat auch Probleme. Der Gediz-Fluss wird mit industriellen und landwirtschaftlichen Abwässern verschmutzt. Auch die Stadt Izmir ist nicht ganz unschuldig. Zum Wachstum und zur Entwicklung wird beigetragen, indem man das Delta künstlich füllt. Natürlich sind Umweltschützer aktiv. Doch soweit für diese Woche.