Posted 10.07.2012 07:40:17 UTC
Updated 10.07.2012 07:45:55 UTC
Jeder liebt die Natur, aber nicht die Steppe. Es gibt nur sehr wenig, die die Steppeaussicht genießen. Heute reisen wir nach Mittelanatolien, in die Steppe. Wir fahren auf der Aksaray-Konya Landstraße, inmitten der unendlichen Steppe. Diese Strecke, auf der täglich hunderte von Kraftfahrzeuge fahren, ist für diejenigen, die die Umgebung betrachten, langweilig. Darum schlafen die meisten Mitreisenden bei der Fahrt. Im Norden dieser Strecke befindet sich der zweitgrößte See der Türkei, nämlich der Salzsee. Wir hatten den Salzsee während unserer gemeinsamen Reise mit dem Rücksack durch die Türkei gesehen. Heute werden wir in die Obruk Ebene im Süden reisen.
Auf der Aksaray-Konya Strecke sehen wir zwei Siedlungsgebiete. Das erste Siedlungsgebiet ist die Ruine der osmanischen Karawanserei „Sultan Hanı“ und die gleichnamige Ortschaft. Das zweite ist Obruk Han, die auch auf die Ruine einer osmanischen Karawanserei gegründet wurde. Die Ruinen sind Anzeichen dafür, dass diese Route einst eine wichtige Handelsroute im osmanischen Imperium war. Als wir im Obruk Dorf ankommen, verlassen wir die Aksaray-Konya Landstraße und biegen in Richtung Süden. Nun befinden wir uns auf der Obruk Ebene. Wir werden die großen Vertiefung, also die Obruks betrachten, die von der Landstraße nicht gesehen werden können. Diese Vertiefungen zählen zu den Naturwundern. Der Boden unter uns kann jede Zeit einbrechen. Das letzte Mal entstand in 1983 eine Vertiefung mit Erdrutsch. Wie entstehen diese Vertiefungen?
Geologen nennen die gelbe Erde der Ebene „Karstboden“. Der Karstboden beinhaltet Anhydrid, Gips, Kalk, Salz, Karbonate. Die chemischen Elemente sickern durch die Rinnen der Erde und bilden Löcher und mit der Zeit vergrößern sich diese Löcher unter der Erde und lassen den Boden einstürzen und so entstehen die Vertiefungen.
Weil die Konya Ebene von Bergen umkreist ist, können die Flüsse nicht ins Meer fließen. Darum gibt es unzählige Vertiefungen, also Obruks im Konya Gebiet. Es gibt auch Obruks mit Wasser, das Volk nennt diese „See“. Außer dieser Art von Obruks gibt es noch trockene, breite, steile, kleine, doppelte, neue und alte Obruks. Eine Vertiefung entstand zuletzt unter einem Ackerfeld. Können Sie sich vorstellen, dass auf einmal der Boden unter ihren Füssen einbricht?
Wir gehen zwischen verschiedengroßen Obruks, um neben einen mit Wasser gefüllten Obruk unser Camp einrichten zu können. Alle haben eines gleich: eine Seite der Vertiefungswände ist niedrig und die andere hoch. Wir steigen runter in die Vertiefung über die niedrige Wand. Der Grundboden ist eben. Wir fühlen uns wie auf einem anderen Planeten, in der Vertiefung. Es ist eine außergewöhnliche Atmosphäre. Als wir uns von einer Vertiefung in die andere unter der Erde bewegen, begegnen wir einigen Dorfbewohnern. Sie grüßen uns auf Arabisch „Selamünaleyküm“. Sie fragen uns von wo wir kommen und wohin wir gehen. Danach erzählen sie uns etwas, was uns sehr traurig macht: Nämlich, dass hauptsächlich im September arabische Touristen hier Falken fangen, und diese in ihre Heimat mitzunehmen. Weil jedes Jahr überzählige Wildvögel gefangen werden, obwohl die Wildvögel unter Schutz stehen, sind sie vom Aussterben bedroht. Hier leben auch Eichhörnchen, “Sciuridae-Rodentia“, auf lateinisch. Dieses niedliche Lebewesen passt sich mit seinem gelblich-grauen Fell der Natur an. Wenn es sich nicht plötzlich bewegen würde, würden wir es gar nicht bemerken. Es läuft vor uns Weg und versteckt sich in seiner Höhle und betrachtet uns unerwünschte Gäste. Die Einhörnchen schaden der Ernte. Diese Feldeichhörnchen sind Nahrung für Wildtiere. Sie bauen ihre Höhlen wie ein Labyrinth. Sie sind die wichtigsten Lebewesen auf der Ebene. Wir bewegen uns auf dem Grundstück der Einhörnchen, sie sind die Herren diese Gegend. Füchse, Flughühner, Rotfalken und Braunkelche sind Mitbewohner dieser Gegend. Die anatolischen Wildschafe, die auf dem Holubaba Berg leben, stehen unter Schutz.
Der frisch wehende Wind der Ebene kühlt unseren Schweiß. Auf einmal sehen wir etwas Blaues auf der gelben Ebene. Dies ist der Kızören Obruk. Dieser Obruk wird nach dem vier Kilometer entfernt liegenden Dorf benannt. Die äußere Länge der Vertiefung beträgt 180 Meter und der innere Umkreis 150 Meter. Das Wasser der 145 Meter tiefen Vertiefung ist süß und trinkbar. Wir lernen, dass im Wasser der Bodenvertiefungen verschiedenartige Fischarten leben. Außerdem leben in den wasserhaltigen Bodenvertiefungen Frösche und Wasserschlagen. Wir erfahren auch, dass der Wasserspiegel der Bodenvertiefung sinkt, was sehr bedauernswert ist. Wir laufen in die Richtung der Bodenvertiefung, an der wir unser Kamp einrichten möchten, während wir uns über die Natur unterhalten. Wir schlagen unser Zelt neben der Meyil Bodenvertiefung auf, deren Wasser im Frühjahr dunkelblau, im Sommer grün und im Herbst blau sind. Als am Abend der Schein des Mondes sich im Wasser der Meyil Bodenvertiefung widerspiegelt, unterhalten wir uns darüber, dass wir uns an Aktivitäten des Vereins zum Schutz des natürlichen Lebens in der Türkei beteiligen müssten, um uns aktiv für die Natur einsetzen zu können.