Posted 29.07.2010 10:44:57 UTC
Updated 10.08.2010 07:05:49 UTC
Verfasser: Murat Hatipoglu
Heute möchten wir einen Faktor erörtern, der für die Zukunft der Menschheit, den internationalen Frieden und für den Frieden sehr wichtig ist, nämlich die ‚Globale Lebensmittelkrise’. Anfang der 90er Jahre, also nach Ende des Kalten Kriegs tauchten zwei neue Begriffe auf:
‚Neue Weltordnung’ und ‚Globalisierung’.
Nach Auflösung der Sowjetunion bereitete sich der Westen auf eine unipolare Weltordnung unter der Führung der USA vor. Statt der bipolaren Weltordnung sprach man nun von einer unipolaren ‚Neuen Weltordnung’. Die sozio-wirtschaftliche und politische Verlängerung wurde entsprechend als Globalisierung bezeichnet. Somit begann ein neuer Prozess, in der die Welt kleiner wurde und Regionalismus in den Vordergrund trat, wo supranationale Finanzen mit unbekannter Herkunft in die Welt flossen. Nach den Angriffen vom 11.September 2001 auf die Zwillingstürme beschäftigte eine neue Aussage dieser unipolaren Weltmacht die Tagesordnung: ‚Nichts wird mehr wie früher’.
Nach der Aussage ‚Nichts wird mehr wie früher’ folgten die weiträumigen Angriffe auf Afghanistan und dem Irak. Doch gleichzeitig trat auch die Tatsache in den Vordergrund, dass von 6,5 Milliarden Menschen 1 Milliarde Menschen hungern. Mit anderen Worten, neben Millionen von Menschen, die den Krieg zum Opfer fielen, kamen mehr als eine Milliarde Menschen wegen der Lebensmittelknappheit ums Leben. Zwar wurde diese Entwicklung seit langer Zeit erwartet, aber die Reichen Länder der Nordhalbkugel zogen es vor, statt den armen Massen der Südhalbkugel zu helfen, die Hand nach den Energiequellen in der Südhalbkugel und im Osten auszustrecken. Dies wiederum führte mittelfristig zu den ersten Anzeichen einer Lebensmittelkrise, die die ganze Menschheit beeinträchtigen kann.
In diesen Rahmen begann die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) mit der Bekanntgabe der schlechten Nachricht. Den Erkenntnissen der FAO zufolge wird der Lebensmittelbedarf weltweit weiter ansteigen. Die vermehrte Lebensmittelnachfrage wird zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führen. Dieser besorgniserregende Zustand verläuft parallel zu der globalen Finanzkrise. Im globalen System wächst die Befürchtung der von der Krise betroffenen Länder vor einer sozialen Explosion, was für alle einem ‚Roten Alarm’ gleich kommt. Der Generaldirektor der FAO Jacques Diouf sagte diesbezüglich, der Anstieg der Lebensmittelpreise und die globale Finanzkrise hätten die Anzahl der weltweit hungernden Menschen an die eine Milliarde Grenze gebracht. Den Berichten der FAO zufolge sei derzeit die Lebensmittelproduktion bis zum Jahre 2050 gesichert. Doch eine ausreichende Lebensmittelproduktion bedeutet keine Lebensmittelsicherheit für alle.
Den Bewertungen der FAO zufolge müssen, wenn sich die Indikatoren wieder auf positiv drehen und die Anzahl der hungernden Menschen abnehmen soll, die unnutzbaren Ackerflächen wieder bewirtschaftet werden. Den Erwartungen der FAO und OECD zufolge wird in der Zukunft die landwirtschaftliche Produktion und Nachfrage in den Entwicklungsländern ansteigen, was auf globaler Ebene zu einem Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion führen wird. Auch gibt es Erwartungen wonach mit steigendem Wohlstand in den Entwicklungsländern auch das Lebensmittelkonsumverhalten eine Änderung erleben wird. In diesen Rahmen wird die Getreideproduktion zurück gehen und der Verzehr von Fleisch und Milchprodukten ansteigen. Weltweit wird die Lebensmittelproduktion bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent ansteigen. Der FAO nach wird dieser Anstieg benötigt, um die steigende Weltbevölkerung ernähren zu können. Doch die FAO-Schätzungen bezüglich der Preisentwicklung fallen pessimistisch aus. So wird bei Getreideprodukten im Vergleich zu den letzten zehn Jahren ein Anstieg um 15 – 40 Prozent erwartet.
Liebe Hörerinnen und Hörer, in den kommenden zehn Jahren, also nach 2010, wird Afrika im Bereich Lebensmittel weiterhin im Nachteil bleiben. Entsprechend wird Hunger und Armut nach wie vor als ein Hauptproblem Afrikas bleiben. Auf der anderen Seite wird die landwirtschaftliche Produktion in Lateinamerika, in Osteuropa und in einigen asiatischen Ländern ansteigen. Unter all diesen Ländern fällt vor allem Brasilien besonders auf, wo ein Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion bis 40 Prozent erwartet wird. Auch für China, Indien, Russland und die Ukraine wird ein Anstieg der Landwirtschaftsproduktion bis zu 20 Prozent erwartet. Diesen Zahlen zufolge werden die BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China bis zum Jahre 2019 wie in anderen Bereichen, auch in der Lebensmittelproduktion wichtige Vorteile genießen.
Betrachtet man diese Entwicklungen und versucht man die Entwicklungen bis 2019 im globalen System abschätzen zu können, so müssen auch folgende Möglichkeiten als ein Ganzes vor Augen geführt werden:
1. Die globale Finanzkrise hat nicht nur dem Finanzsektor, sondern auch dem Realsektor einen schweren Schaden zugefügt.
2. Als Folge dieser Entwicklung entstand auf globaler Ebene in der Produktion, im Konsumbereich und in der Beschäftigung ein Rückgang. 3. Die globale Krise wird in reichen Ländern noch stärker empfunden. Die Industrieländer werden Konjunkturpakete und Sparpolitiken in Angriff nehmen, um bis 2014 ihre Wirtschaft in Schwung zu bringen.
4. Das bedeutet, dass die Verringerung der Arbeitslosigkeit und Anhebung des Lebensstandards nach 2015 zu erwarten sein wird.
5. Parallel zu dieser Entwicklung wird in vielen Industrieländern auch die ‚Wahrscheinlichkeit einer sozialen Explosion“ bestehen bleiben.
6. In dieser Phase werden die Lebensmittelpreise weiter steigen.
7. In den BRIC-Staaten (Abk. f. Brasilien, Russland, Indien, China) wird die Lebensmittelproduktion und der Verkauf steigen, was in den BRİC Staaten zu vermehrten Reichtum führen wird.
8. Unter diesen Bedingungen werden die BRIC Staaten im Lebensmittelexport mehr spekulative Transaktionen durchführen.
9. Wiederum unter diesen Bedingungen werden die BRİC Staaten beim Lebensmittelexport konjunkturelle diplomatische Entwicklungen berücksichtigen und wie im russischen Erdgasexport Lebensmittel als ein Trumpf benutzen.
Aus diesen Gründen werden Lebensmittel in den kommenden Jahren in der Weltpolitikbühne eine wichtige Rolle einnehmen, wobei wie Energie, auch Lebensmittel sich zu einem wichtigen Instrument der Außenpolitik entwickeln werden. Damit kann gleichzeitig auch ein gefährlicher Prozess in Gang gesetzt werden. In einer Zeit wo in der Politik nichts unmöglich ist, können biologische Kriege entfacht werden, um den Handel mit Lebensmittel zu unterbinden, um so Lebensmittel exportierende Länder zu schwächen. Wir nähern uns dem Ende der 2010 er Jahre, die 2019 enden. Die Zeit verrinnt sehr schnell. In diesen Rahmen müssen Lebensmittelpreise als Faktor für Lebensstandard und die Lebensmittelerreichbarkeit im Rahmen einer Nationalen Sicherheit betrachtet werden. Deswegen scheint es angebracht den Begriff “Lebensmittelsicherheit” weitgehender zu definieren. Denn für die Zukunft erscheint die Sicherstellung des Ernährungsbedarfs der Menschheit genauso wichtig wie der politische Frieden.